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Anakinra ist ein Medikament, das in der Fachsprache als Interleukin-1-Rezeptorantagonist bezeichnet wird.
Was ist ein Interleukin-1-Rezeptorantagonist und wie wirkt er?
Interleukin 1 ist ein Botenstoff des Immunsystems, der bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wesentlich an der Entstehung der Gelenkentzündung beteiligt ist. Der Interleukin-1-Rezeptorantagonist behindert die Bindung von Interleukin-1 am Rezeptor der Zielzelle und verhindert so dessen biologische Wirkung. Dadurch werden Schmerzen, Schwellungen und das Fortschreiten der Erkrankung vermindert.
Für welche Patienten kommt die Therapie mit Anakinra in Frage?
Anakinra ist zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis in Kombination mit Methotrexat zugelassen. Anakinra kann bei Patienten eingesetzt werden, die nicht ausreichend auf Methotrexat allein ansprechen.
Wie wird die Behandlung mit Anakinra durchgeführt?
Anakinra wird als Fertigspritze einmal täglich unter die Haut (subkutan) gespritzt, möglichst immer zur gleichen Tageszeit. Die Injektion kann von Ihnen selbst, einer ausgebildeten Hilfsperson oder Ihrem Arzt durchgeführt werden. Wenn Sie das Spritzen selbst durchführen wollen, müssen Sie die Technik beherrschen.
Die Anakinra-Fertigspritzen müssen im Kühlschrank bei +2° bis +8° C gelagert werden; bewahren Sie Anakinra in der Originalpackung auf, um den Inhalt vor Licht zu schützen. Sobald eine Fertigspritze aus dem Kühlschrank entnommen worden ist und Raumtemperatur (bis zu 25°C) erreicht hat, muss sie entweder innerhalb von 12 Stunden verwendet oder verworfen werden.
Bei Unklarheiten, insbesondere auch, wenn Sie einen neuen Arzt besuchen, nehmen Sie immer den Arzneimittelkarton oder den Beipackzettel mit.
Wann tritt die Wirkung ein?
Eine Besserung der Symptome der rheumatoiden Arthritis tritt nach ca. 2 Wochen, evtl. auch erst später ein.
Wie lange wird die Behandlung mit Anakinra durchgeführt?
Anakinra wirkt nur, wenn Sie die Behandlung regelmäßig bekommen. Sie muss auch dann fortgeführt werden, wenn es Ihnen besser geht. Sonst kann sich die Krankheit verschlimmern. Falls Sie einmal eine Injektion vergessen haben, sollten Sie die nächste Anakinrainjektion sobald wie möglich nachholen.
Können Nebenwirkungen auftreten?
Bei jeder wirksamen Behandlung können unerwünschte Wirkungen auftreten. Das gilt auch für die Anakinratherapie. Daher ist eine ständige Kontrolle der Behandlung durch Ihren Hausarzt notwendig. Nur so kann er evtl. auftretende Nebenwirkungen rechtzeitig erkennen und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Dann bilden sich die Nebenwirkungen in der Regel vollständig zurück. Die meisten der im Beipackzettel erwähnten Nebenwirkungen sind selten.
Auf welche Nebenwirkungen müssen Sie selbst achten?
Sofort müssen Sie sich in ärztliche Behandlung begeben,
Sehr häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und vor allem Hautreaktionen (Rötungen, Schwellungen, Bluterguss oder Juckreiz) an den Einstichstellen. Diese Hautreaktionen treten bei mehr als der Hälfte der Patienten auf. Sie sind in der Regel leicht bis mäßig, treten am häufigsten 10 bis 20 Tage nach Beginn der Behandlung auf und verschwinden auch bei Fortführung der Behandlung im Verlauf weniger Wochen.
Welche Nebenwirkungen bemerkt Ihr Arzt?
Der Arzt achtet auf Infektionszeichen. Eine häufige Nebenwirkung ist die Verminderung weißer Blutkörperchen, welche das Risiko für eine Infektion erhöhen kann. Durch Blutuntersuchungen kann er Veränderungen an der Blutbildung feststellen. Falls bei Ihnen Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Anakinrabehandlung auftreten, entscheidet Ihr Arzt über die weitere Behandlung. Nicht jede unerwünschte Wirkung zwingt zum Abbruch der Therapie.
Schwangerschaft und Stillzeit
Über die Auswirkungen einer Anakinratherapie in der Schwangerschaft und beim Stillen liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Eine Schwangerschaft muss deshalb während der Anakinrabehandlung und in den ersten 3 Monaten nach Absetzen des Anakinra sicher verhütet werden. Männer dürfen während der Anakinrabehandlung und in den ersten 3 Monaten nach dem Absetzen des Anakinra kein Kind zeugen.
Was ist außerdem bei der Behandlung zu beachten?
Anakinra wird außerhalb von klinischen Studien erst seit kurzer Zeit zur Behandlung bei Patienten eingesetzt. Damit fehlen wie bei allen neuen Medikamenten Langzeiterfahrungen an größeren Patientenkollektiven. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie eine Vorgeschichte wiederkehrender Infektionen haben oder an Asthma leiden. Anakinra kann diese Zustände verschlimmern.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Krebs haben. Ihr Arzt muss entscheiden, ob Sie Anakinra dennoch verwenden dürfen.
Eine Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte während der Therapie nicht erfolgen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie außerdem noch einnehmen. Nehmen Sie zusätzlich andere Rheumamedikamente, müssen deren mögliche Nebenwirkungen wie bisher berücksichtigt werden. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie vor einem größeren operativen Eingriff stehen. Dann muss individuell über eine Therapiepause entschieden werden.
Bei weiteren Fragen rufen Sie uns bitte an!
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (Stand Januar 2008). Weitere Informationen zur Behandlung finden Sie unter www.dgrh.de/therapieueberwachung