Diagnostik
Wirksamkeitskriterien der Therapie
Begutachtung entzündliches Rheuma



4 Wirksamkeitskriterien der Therapie bei rheumatischen Erkrankungen

 

von R. Rau, E. Genth

 



Die Wirksamkeit jeder Krankheitsbehandlung muss, wenn sie den allgemeinen Qualitätsrichtlinien entsprechen soll, mess- und dokumentierbar sein. In zahlreichen Konsensuskonferenzen der OMERACT („Outcome Measures in Rheumatoid Arthritis Clinical Trials“) in Kooperation mit der ILAR und der WHO wurden für die meisten rheumatischen Erkrankungen international einheitliche Kriterien für die Erfolgsermittlung der Therapie dieser Erkrankungen erarbeitet. Teilweise decken sich diese Kriterien mit den Parametern der Krankheitsaktivität und zielen auf die objektive Dokumentation der Änderung der Aktivität der Erkrankung hin. Die einheitlichen Kriterien dienen selbstverständlich sowohl der Qualitätssicherung unseres therapeutischen Handelns wie auch dem Ziel, Ergebnisse randomisierter klinischer Studien und Beobachtungsstudien weltweit vergleichbar zu machen.

 

In diesem Kapitel sollen die gegenwärtig gültigen Parameter getrennt für die verschiedenen Erkrankungen weitgehend tabellarisch dargestellt werden, ohne Hintergründe ihrer Auswahl, Vor- und Nachteile zu erörtern und zu bewerten, da dies den Rahmen dieses kurzen Kapitels sprengen würde.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet 3 Ebenen der Krankheitskonsequenzen [74], die prinzipiell bei der Therapieerfolgsermittlung berücksichtigt werden können:

 

 

Das Institute of Medicine (IOM) unterscheidet folgende Kategorien [42]:

 

 

Messparameter sollten die folgenden Anforderungen erfüllen:

 

 

Die angewandten Messkriterien sollten den sog. „OMERACT-Filter“ passieren können:

 

 

Rheumatoide Arthritis

 

Die medikamentöse Therapie dieser Erkrankung muss sich wechselnden Bedingungen anpassen können und braucht dafür Parameter, mit denen die Situation des Patienten bei Therapieeinleitung eingeschätzt, die Änderung unter der Behandlung und damit auch deren Erfolg beurteilt werden kann. Man unterscheidet heute Prozess- und „Outcome“-Parameter.

 

Unter Outcome wird dabei das Endresultat bzw. die endgültige Folge der Erkrankung für den Patienten verstanden: Tod, Invalidität, Beeinträchtigung der Lebensqualität und ökonomische Auswirkungen [18]. Prozess ist das, was auf dem Weg zum Outcome passiert.

 

Der „Prozess“ wird allgemein durch die Messung der Krankheitsaktivität beschrieben. Zu diesem Zweck wurden entwickelt:

 
 

Core-Set von Parametern zur Endpunktmessung bei klinischen Prüfungen [63]

  • Bewegungsschmerz/Druckdolenz: 28 Gelenke

  • Gelenkschwellung: 28 Gelenke

  • Akute-Phase-Proteine

  • Schmerz (angegeben auf visueller Analogskala)

  • globale Einschätzung der Krankheitsaktivität durch den Patienten (VAS)

  • Globale Einschätzung der Krankheitsaktivität durch den Arzt (5-Punkt-Likert-Skala)

  • Funktionelle Behinderung (Health-Assessment-Questionaire HAQ)

  • Röntgenbilder der Hände und Vorfüße (für Studien über 1 Jahr)

 

Diese Parameter wurden wegen guter Reproduzierbarkeit und Änderungssensitivität ausgesucht. Die Morgensteifigkeit und die Griffstärke wurden wegen großer Messungenauigkeiten weggelassen.

 

Es muss betont werden, dass bei Verlaufsdokumentation individueller Patienten außerhalb klinischer Studien weitere Parameter erforderlich sind: Bewegungsumfang der Gelenke, Auftreten von Deformitäten, Instabilitäten, Kraft, Gehfähigkeit etc.

 

 

Quantifizierung des Gelenkbefalls mittels Gelenkzahlen („Joint Counts“)

 

Im Allgemeinen werden die Gelenke auf Druck- bzw. Bewegungsschmerz, Schwellung, seltener Bewegungseinschränkung bzw. Deformität („loss of motion“) untersucht.

 

 

Tabelle 1. Unterschiedliche Gelenkzahlen („joint counts“)*

 

Index

Zahl der Gelenke

Bewertung

Kommentar

ACR-"tender joint count" [14]

68

0/1

nur schmerzhafte Gelenke1

ACR-"swollen joint count" [14]

66

0/1

nur geschwollene Gelenke2

Ritchie-Index [51]

53

0-3
(max. Score 78)

nur druckdolente Gelenke3

"tender joint count"

53

0/1
(max. Score 53)

nur schmerzhafte Gelenke4

"tender joint count"

44

0/1

nur geschwollene Gelenke5

Thompson-/Kirwan-Index [62]

38

0/1
(max. Score 534)

schmerzhafte und geschwollene Gelenke mit Gewichtung nach Größe

36 "joint count"

36

0/1

Getrennte Messung druckdolenter und geschwollener Gelenke

28 "joint count" [54]

28

0/1

Getrennte Messung druckdolenter und geschwollener Gelenke

 

ACR „American College of Rheumatology“

* nach dem ILAR-Handbook of Standard Methods, 2. Auflage, September 1995

1 Folgende Gelenke werden gezählt: Temperomandibular-, Sternoklavikular-, Acromioklavikular-, Schulter-, Ellenbogen-, Handgelenk, MCP, PIP, DIP, Hüft- und Kniegelenke, OSG, Tarsus, IP der Großzehe, MTP, PIP und DIP je als ein Gelenk

2 wie 1 – ohne Hüftgelenk

3 einzeln bewertet. Ellbogen-, Handgelenke, Hüftgelenke, Knie, OSG, Talokalkaneal- und Metarsalgelenke. Als Einheiten: temperomandibular, HWS, Sternoklavikular-, Akromioklavikulargelenke, MCP, PIP, MTP (je als ein Gelenk gewertet). Graduierung: 0 = kein Schmerz; 1 = Druckschmerz; 2 = Schmerz mit Verziehen des Gesichts; 3 = Verziehen des Gesichts und Wegziehen
Gelenkzahlen nach dem Eular-Handbook of Standard Methods

4 wie 1, ohne Hüftgelenk und Tarsus

5 Folgende Gelenke werden gezählt: Temperomandibular-, Sternoklavikular-, Akromioklavikular-, Schulter-, Ellenbogen-, Handgelenk, MCP, PIP, DIP, Kniegelenk, OSG, IP der Großzehe. MTP, PIP und DIP der Zehen je als ein Gelenk
Thompson-/Kirwan-Index = wie bei 4 , ohne Schulter-, Akromio- und Sternoklavikulargelenke.

 

 

Die verschiedenen Gelenkzahlen unterscheiden sich:

 

Die Druckdolenz der Gelenke ist änderungssensitiver und korreliert mit dem allgemeinen Schmerz, die Gelenkschwellung deutet auf eine spätere Gelenkdestruktion hin [60]. Die Graduierung nach Schwere der Symptome und die Gewichtung nach Gelenkgröße verbessern die Korrelation mit den Akute-Phase-Proteinen und zeigen Änderungen feiner an. Sie sind aber weniger gut reproduzierbar [62]. Das bloße Zählen der betroffenen Gelenke gilt derzeit als zuverlässigste Messmethode. Die Reduktion der zu zählenden Gelenke auf 28 erwies sich als valide und änderungssensitiv [19, 43, 44, 52].

 

 

Akute-Phase-Reaktionen

 

Die BSG und das C-reaktive Protein korrelieren sehr gut mit klinischen Parametern der Krankheitsaktivität [69]. Sie erwiesen sich in klinischen Prüfungen von Basistherapeutika als änderungssensitiv [15] und sind gute Prädiktoren der röntgenologischen Progression [30, 32, 69].

 

 

Schmerz

 

Der Schmerz ist subjektiver Ausdruck der Krankheitsaktivität. Seine Messung kann mittels Fragebögen erfolgen oder aber auf einer waagerechten visuellen Analogskala (VAS) von 10 cm Länge, von „kein Schmerz“ bis „stärkster vorstellbarer Schmerz“. Möglich ist auch die Graduierung des Schmerzes mittels einer Likert-Skala: 1 = asymptomatisch, 2 = leichter, 3 = mäßiger, 4 = starker und 5 = sehr starker Schmerz.

 

Für die visuelle Analogskala wurde eine gute Änderungssensitivität gezeigt [1, 10].

 

 

Tabelle 2. Gewichtung der Gelenke im Thompson-/Kirwan Index [61]

 

Gelenk

Gewichtung

Zahl der Gelenke

Ellbogen

48

2

Handgelenk

32

2

MCP (1-5)

5

10

PIP (1-5)

3

10

Knie

95

2

Sprunggelenk

32

2

MTP (2-5)

3

8

MTP (1)

8

2

 

 

Globale Einschätzung der Krankheitsaktivität durch Patient und Arzt

 

Die Einschätzung der allgemeinen Krankheitsaktivität wird anhand der Frage, wie gut es unter Berücksichtigung aller Auswirkungen der Arthritis gehe, auf einer visuellen Analogskala beantwortet.

 

 

Funktionelle Beeinträchtigung

 

Die funktionelle Beeinträchtigung kann gut, aber zeitaufwändig durch den Keitel-Funktionsindex [24] gemessen werden, wird aber heute im Wesentlichen vom Patienten mittels Fragebögen abgefragt.

Die Fragen werden mit „ja“ (2 Punkte), „ja, aber mit Mühe“ (1 Punkt), „nein“ oder nur „mit fremder Hilfe“ (0 Punkte) beantwortet. Angegeben wird die Summe der erzielten Punkte. Die Ergebnisse von HAQ und FFbH-P können ineinander umgerechnet werden [29].

 

 

Instrumente zur Erfassung des allgemeinen Gesundheitszustandes

 

Neben den spezifischer auf die Funktionsbeeinträchtigung als Krankheitsfolge gerichteten Instrumenten wird zunehmend auch versucht, den Verlauf des allgemeinen Gesundheitsstatus zu erfassen.

 

 

Erfassung struktureller Schäden im Röntgenbild

 

Röntgenbilder der Hände und Vorfüße gehören zum „Coreset“ von Outcomeparametern und werden bei allen Basistherapiestudien über ein Jahr oder länger verlangt. Das Röntgenbild zeigt den Summationseffekt, d. h. die Destruktion als Folge der Entzündung. Röntgenologische Veränderungen korrelieren demzufolge nicht mit der aktuellen Krankheitsaktivität. Die Zunahme der Destruktion in der Zeit aber korreliert gut – mit zeitlicher Verzögerung von 6–12 Monaten – mit dem Verlauf des C-reaktiven Proteins, am besten zeitintegriert (Fläche unter der Kurve) [30, 32, 69].

 

Zur Quantifizierung der Destruktion wurden Scoringmethoden entwickelt. Man unterscheidet die kombinierte Methode von Sharp [50, 51] mit Modifikationen [64], bei der getrennt Erosionen und Gelenkspaltverschmälerung gemessen werden, von der globalen Methode von Larsen [28] bei der die (erosive) Destruktion global erfasst wird. Der Ratingen-Score [47] ist eine modifizierte und präzisierte Larsen-Methode, enthält aber auch im Hinblick auf die zu untersuchenden Gelenkregionen Elemente des Sharp-Systems. Eine eingehende Darstellung der Scoringmethoden findet sich bei Rau [48]. Scoringmethoden sind bisher nicht geeignet eine Verminderung der Destruktion, d. h. eine Besserung zu erfassen und zu quantifizieren.

 

 

Indices der Krankheitsaktivität

 

Indices der Krankheitsaktivität fassen unterschiedliche Parameter zu einem einzigen Punktwert zusammen [6]. Der Vorteil liegt in der Beschreibung der Krankheitsaktivität durch eine einzige Zahl, damit einfacherer Vergleichbarkeit von Studienergebnissen und größerer statistischer Kraft („power“) bei klinischen Studien. Der Nachteil liegt in der Zusammensetzung aus objektiven (BSG, CrP), semiobjektiven („joint count“) und subjektiven (Schmerz und Befindlichkeit) Anteilen, die im jeweiligen Index über- oder unterbewertet sein können. Die Indexberechnung ist meist kompliziert; er kann nicht einfach wieder in seine Komponenten zerlegt werden. Indices können auf einer kontinuierlichen Skala gemessen werden, wie der Lansbury-Index oder der Disease-Activity-Score (DAS) oder auf einer ordinalen Skala mit mehreren Klassen, wie z. B. Paulus-, ACR- und EULAR-response-Kriterien.

 

 

Besserungskriterien

 

Mit den individuelllen Besserungskriterien wird die Zahl der Patienten ermittelt, die einen bestimmten Grad der Besserung erreicht haben – eine wichtige Information zusätzlich zur üblichen Mittelwertangabe der Gesamtpopulation.

 

Die Paulus-Kriterien [38] fordern eine je 20%ige Besserung in 4 von 6 Parametern (40%ige Besserung für die Angabe der globalen Krankheitsaktivität), die ACR-Kriterien [16] verlangen eine je 20%ige Besserung bei 5 von 7 Kriterien, die beiden ersten unabdingbar (s. Tabelle 3 und 4).

 

 

Tabelle 3. Besserungskriterien auf der Basis einer prozentualen Änderung der Krankheitsaktivität

 

Paulus
(4 von 6)
(%)

ACR
(5 von 7, die beiden
ersten unabdingbar)
(%)

Gelenkschmerz

≥ 20

≥ 20

Gelenkschwellung

≥ 20

≥ 20

BSG

≥ 20

≥ 20

Globale Krankheitsaktivität (Arzt)

≥ 40

≥ 20

Globale Krankheitsaktivität (Patient)

≥ 40

≥ 20

Morgensteifheit

≥ 20

Schmerz (VAS)

≥ 20

Behinderung

≥ 20

VAS visuelle Analogskala

 

 

Tabelle 4. EULAR-Response-Kriterien mit Definition guter, mäßiger und fehlender Besserung

 

                  

Abfall des DAS

Gegenwärtiger DAS

> 1,2

0,6-≤1,2

≤0,6

≤ 2,4

gut

> 2,4 und ≤ 3,7

mäßig

> 3,7

keine

DAS „Disease-Activity-Score“

 

Die Kriterien können zwischen Plazebo und aktiver Behandlung differenzieren, sind aber eigentlich zu insensitiv, um zwischen aktiven Behandlungen zu unterscheiden. Dennoch werden sie häufig hierfür angewandt. Eine 20%ige Besserung bei einem Patienten ist klinisch häufig wenig relevant. Deshalb werden auch ACR-50- und ACR-70-Kriterien benutzt, die jeweils eine 50- bzw. 70%ige Besserung erfordern.

 

Die EULAR-Response-Kriterien [71] verlangen nicht eine prozentuale Änderung, sondern eine Änderung um einen bestimmten Scorewert und zusätzlich den Rückgang auf eine bestimmte aktuelle Krankheitsaktivität, gemessen mit dem DAS. Die erreichte aktuelle Aktivität ist für den Patienten und seine Krankheitsprognose wesentlich relevanter als die prozentuale Besserung.

 

Nachteil der Methode ist, dass bei sehr hoher Krankheitsaktivität eine gute Besserung nur dann gegeben ist, wenn der DAS dramatisch auf unter 2,4 abfällt; andererseits kann bei primär nur mäßig aktiven Patienten eine Besserung um 1,2 ebenfalls schlecht erreicht werden. Beim Vergleich der Eular- mit den ACR-Kriterien diskriminierten die EULAR-Kriterien besser [71].

 

Die ACR-Remissionskriterien (Pinals-Kriterien) [40] unterschieden optimal zwischen Patienten, die von ihren Rheumatologen als in Remission befindlich oder nicht bezeichnet wurden (siehe Tabelle 5).

 

 

Tabelle 5. ACR-Remissionskriterien (Pinals-Kriterien)

 

Mindestens 5 der folgenden Kriterien müssen 2 Monate lang erfüllt sein:

  1. Morgensteifigkeit < 15 min

  2. Keine Ermüdung

  3. Kein Gelenkschmerz (anamnestisch)

  4. Keine Druckdolenz oder Bewegungsschmerz von Gelenken

  5. Keine Weichteilschwellung an Gelenken oder Sehnenscheiden

  6. BSG (Westergren)

    • bei Frauen < 30 mm/h

    • bei Männern < 20 mm/h

 

Ein Teil der Parameter ist nicht Bestandteil des Coresets und wird bei vielen klinischen Prüfungen nicht erhoben. Darüber hinaus ist nach längerer Erkrankung mit Vorhandensein sekundärer Arthrosen das Fehlen von Schmerzen kaum zu erfüllen. Schon geringe Änderungen der Krankheitsaktivität können die Klassifikation des Patienten als in Remission befindlich oder nicht beeinflussen.

 

Remissionskriterium mittels DAS: Nach diesem Vorschlag sind Patienten mit einem „Disease-Activity-Score“ < 1,6 in Remission. Bei diesem Grenzwert wurden nur 10% der Patienten, die sich nach den ACR-Kriterien in Remission befanden, falsch zugeordnet [40]. Pragmatisch könnte man auch alle Patienten, die mehrere Monate lang keine synovitische Schwellung, keine Morgensteifigkeit, ein normales CrP oder BSG haben und keine Steroide bekommen, als in Remission befindlich betrachten [46].

 

Vorschlag zur Dokumentation bei Langzeitbeobachtungsstudien [75]. Eingeschlossen werden sollten Instrumente zur Messung der Lebensqualität und der allgemeinen Gesundheit, zur Messung von Symptomen (Schmerz), zur körperlichen Funktion, zur psychosozialen Funktion, zum Krankheitsprozess (Schwellung), zur Entzündungsaktivität (CrP, BSG), zur Destruktion (Röntgenscores, Deformität, Operationen, extraartikuläre Manifestationen), zur Medikamententoxizität, zur Mortalität, zur Arbeitsfähigkeit und zu den Kosten.

 

Auch für die juvenile chronische Arthritis wurden skalierte Funktionsfragebögen erarbeitet [23, 76].

 

 

Spondylitis ankylosans

 

Für die Spondylitis ankylosans wurden im Rahmen von OMERACT-Konferenzen und in anderen Gruppierungen (ASAS „Assessments in Ankylosing Spondylitis Working Group“) Coresets von Parametern sowohl für die Evaluation von Studien als auch für den klinischen Alltag definiert [66–68]. Die zu evaluierenden Domänen sind zusammen mit den vorgeschlagenen Instrumenten in der Tabelle 6 dargestellt. Dabei wurde auch festgelegt, welche Domänen für die Evaluation der sog. „Disease Controlling Antirheumatic Therapies“ (DC-ART), der „Symptome Modifying Antirheumatic Drugs“ (SMARD), für die physikalische Therapie und in der klinischen Praxis verwendet werden sollten.

 

Kombinierte Indices wurden insbesondere von der Gruppe in Bath in England entwickelt.

 

 

Tabelle 6. Instrumente für die Therapieevaluation bei ankylosierender Spondylitis (AS) [54]

 

Domäne

Instrument

Funktion1

BASFI oder FI Dougados

Schmerz1

VAS-, WA-Schmerz/VAS Nachtschmerz durch AS

Spinale Mobidität1

Thoraxexkursion/Schober/Hinterkopf-Wand-Abstand

Patientenurteil1

VAS - letzte Woche

Steifigkeit1

Dauer der Morgensteifheit - WS - letzte Woche

Periphere Gelenke und Enthesien2

Anzahl geschwollener Gelenke (44 Gelenke; Maastricht-Enthesis-Index)

Akut-Phase-Parameter2

BSG (CrP)

Röntgen: Wirbelsäule, Hüftgelenke3

LWS Ap. + Lat./HWS Lat./Becken (SIG und Hüften)

Fatigue3

z. B. Frage nach Müdigkeit im BASDAI

1 Teil aller 3 Coresets
2 Teil der Coresets für DC-ART und klinische Befunddokumentation
3 Teil der Coresets für DC-ART

 

 

 

 

Tabelle 7. Graduierung der HWS- und LWS-Veränderungen im BASMI

 

Untersuchung

Grad 0

Grad 1

Grad 2

Hinterkopf-Wand-Abstand

< 15 cm

15-30 cm

> 30 cm

LWS-Beweglichkeit (Schober)

> 4 cm

2-4 cm

< 4 cm

HWS-Rotation (auf dem Rücken liegend)

> 70°

20-70°

< 20°

LWS-Seitwärtsneigung: Abwärtsbewegung der Mittelfingerkuppe entlang einem Bandmaß (Mittelwert von rechts u. links)

> 10 cm

5-10 cm

< 5 cm

Knöchelabstand bei gespreizten Beinen

> 100 cm

70-100 cm

< 70 cm

 

 

Tabelle 8. Graduierung der HWS- und LWS-Veränderungen im BASRI

Grad 0

Keine Veränderung

Grad 1

Keine deutlichen Veränderungen

Grad 2

Erosionen (Knochensubstanzverlust), Eckenbildung oder Syndesmophyten an
höchstens 2 Wirbelkörpern

Grad 3

Syndesmophyten an mindestens 3 Wirbelkörpern, mit oder ohne Überbrückung
zwischen nur 2 Wirbelkörpern

Grad 4

Knochenbrücken, mindestens über 3 Wirbelkörpern

 

 

Tabelle 9. Graduierung der IS-Gelenke im BASRI

Grad 0

normal

Grad 1

verdächtig

Grad 2

Sklerose, wenig Erosionen

Grad 3

Starke Erosionen, Gelenkspalterweiterung, Brückenbildung

Grad 4

Weitgehende Ankylose

 

 

Kollagenosen

 

Beispielhaft für die Kollagenosen soll hier im Wesentlichen systemischen Lupus erythematodes (SLE) nur der kurz besprochen werden. Die Therapieerfolgsermittlung beim SLE ist sehr viel schwieriger als bei der RA wegen des potenziellen und sehr variablen Befalls multipler Organe, des möglichen Wechsels zwischen Schubsituationen und Remissionen und der Notwendigkeit einer Gewichtung der Organe in ihrer Bedeutung für den Menschen oder sogar den einzelnen Patienten.

 

Verschiedene Konsensuskonferenzen haben sich prinzipiell darauf geeinigt, dass bei klinischen Prüfungen folgende Domänen berücksichtigt werden sollten: Krankheitsaktivität, Organschaden („damage“), gesundheitsbezogene Lebensqualität („health related quality of life“), Toxizität, Kosten [53, 57]. Bereits bestehende, nicht mehr änderbare Organschäden („damage“) müssen bei der Therapieerfolgsermittlung entsprechend berücksichtigt werden.

 

Eine Reihe von Krankheitsaktivitätsscores wurden entwickelt, u. a. der „European-Consensus-Lupus-Activity-Measure“ (ECLAM), der „Lupus-Activity-Index“ (LAI), der „National-Institutes-of-Health-SLE-Index-Score“ (SIS) sowie der SLAM und SLEDAI. Diese Scores haben sich in Kohortenstudien als änderungssensitiv erwiesen (u. a. [20, 39]).

 

Der ECLAM als Beispiel für einen Aktivitätsscore umfasst Fragen zu Allgemeinsymptomen (Fieber, Müdigkeit) und zu Beschwerden an Gelenken, Haut, Schleimhaut, Myositis, Perikarditis, Intestinum, Lunge, ZNS, Niere, Knochenmark sowie BSG und Komplementerniedrigung.

 

Der SDI (SLICC/ACR) – „Systemic-Lupus-International-Collaborating-Clinics“/„American-College-of-  Rheumatology-Damage-Index“ als Beispiel für einen Damagescore berücksichtigt Auge, ZNS, Niere, Lunge, Herz, Gefäße, Gastrointestinaltrakt, Bewegungsapparat, Haut und unter „Sonstiges“ eine Gonadeninsuffizienz im Alter unter 40 Jahren, Diabetes mellitus und Malignom. Der Index erfordert für die Berücksichtigung von Organstörungen ihr Bestehen für mindestens 6 Monate und hat sich bei klinischen Prüfungen als zuverlässig erwiesen [7].

 

Für die Polymyositis und Dermatomyosistis wurden von der „International Myositis Association for Clinical Studies“ (IMACS; www.dir-apps.niehs. nih.gov/imacs/index.cfm?action=home.main) Leitlinien für Therapiestudien publiziert [37 c]. Es wurde ein Coreset für relevante Outcomes abgestimmt und ein Konsensus über Parameter und Methoden insbesondere zur Messung von Krankheitsaktivität, Schadensentwicklung und Prognose entwickelt. Für die Messung der Muskelkraft [56] und anderer muskulärer und extramuskulärer Parameter wurden Methoden vereinbart. Vergleichbare Ansätze wurden für die juvenile Dermatomyositis veröffentlicht [23 a].

 

Auch für die systemische Sklerodermie wurden zahlreiche Instrumente entwickelt. Zur Messung von Ausprägung des sklerodermietypischen Hautbefalls wird der modifizierte Rodnan-Skin-Score eingesetzt [5 a]. Weitere Instrumente werden zur Messung der Schwere und der Aktivität der Erkrankung verwendet sowie zur Beurteilung verschiedener Organmanifestationen [37 a]. Das „American College of Rheumatology“ hat Leitlinien für klinische Studien (Design und Outcomes) mit krankheitsmodifizierenden Interventionen veröffentlicht [73 a]. Ein Konsensus über verschiedene Instrumente zur Messung des Organbefalls bei systemischer Sklerose wurde vom Deutschen Netzwerk für systemische Sklerodermie entwickelt (http://www.sklerodermie.info/dnsscontent/m1/k2/index.aspxx). Bisher gibt es nur wenige Studien, die nach diesen Kriterien durchgeführt wurden.

 

 

Vaskulitissyndrome

 

Zur Bewertung von verschiedenen Vaskulitissyndromen werden noch umfangreichere und detailliertere Instrumente verwendet. Es wurden Instrumente für Krankheitsaktivität (insbesondere verschiedene Varianten des BVAS-Scores) einschließlich eines Indexes für Krankheitsausdehnung („Disease-Extension-Index“), für irreversible Veränderungen (Schaden) und für die prognostische Beurteilung erarbeitet [37 b], die im Rahmen des Omeract-Prozesses weiterentwickelt werden. Diese Instrumente sind in erster Linie für Studien konzipiert. An der Verbesserung ihrer Eignung zur Beurteilung des Einzelfalles wird gearbeitet.

 

 

Arthrosen

 

Zur Evaluation degenerativer Gelenkerkrankungen werden zum Teil die gleichen Funktionsindices angewandt wie bei der RA (z. B. HAQ, AIMS) sowie Instrumente betreffend die Lebensqualität (z. B. SF-36), zusätzlich aber auch speziell für die Arthrose der Hüft- und Kniegelenke entwickelte Instrumente wie der Lequesne-Index (31) oder der WOMAC (Western-Ontario-and-McMaster-Universities-Osteoarthritis-Index“) [4]. Die „Osteoarthritis Research Society International“ (OARSI) entwickelt nach Auswertung zahlreicher Studien den sog. OARSI-Score [15 a], einen Kompositscore, der bei klinischen Prüfungen eingesetzt werden soll.

 

 

Fibromyalgie

 

Bei der Fibromyalgie wurden auf der 7. OMERACT-Konferenz die Outcomedomänen für klinische Studien abgestimmt [34 a]. Schmerzen, Patientenurteil, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Erschöpfung, Schlaf und körperliche Funktionsfähigkeit wurden als wichtigste Domänen bewertet. Hierzu existieren verschiedene Assessments. Internationale Empfehlungen gibt es hierzu nicht.

 

 

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