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H1N1-Impfung - für Rheumapatienten obligatorisch ?

Die Frage nach Sinn oder Unsinn der H1N1-Impfung beherrscht in den letzten Monaten hierzulande sämtliche Medien und wird kontrovers geführt. Unsicherheit über die in den Wintermonaten zu erwartende Schwere der Infektion, d.h. die Dringlichkeit der Impfung an sich, außerdem Unklarheit über die Auswahl und Sicherheit der verfügbaren Impfstoffe, letztendlich aber auch logistische Schwierigkeiten (Wer impft? Ist eine Impfung ausreichend oder eine zweite nach frühestens 2 - 3 Wochen obligat?) sind die wichtigsten Gründe dafür. Sicher ist jedoch: Kommt es im Winter zur Pandemie mit schweren Verläufen, wird sich die Zahl der Betroffenen und der schweren Verläufe (bis hin zur Todesfolge) schlagartig erhöhen.

An dieser Stelle sollen diese grundsätzlichen Fragen und Probleme nicht diskutiert werden, es wird auf die einschlägigen Expertengremien (Links, siehe unten) verwiesen sowie auf ausführliche Stellungnahme des Robert Koch-Institutes (Epidemiologisches Bulletin Nr. 41 vom 08.10.2009). Wichtig speziell für den Rheumatologen ist zum einen die Frage, wer zum Kreis der Hochrisiko-Patienten zu zählen ist und wem deshalb eine spezielle Impfempfehlung gegeben werden sollte. Die Erkrankung an sich ist noch kein Grund dafür. Das Robert-Koch-Institut hat vorerst folgende Hochrisikogruppen benannt (1):

De facto bedeutet dies jedoch, dass alle Rheumapatienten mit schweren Krankheitsverläufen und/oder unter immunsupprimierender Therapie stehende Patienten, also doch ein Großteil der Patienten zu dieser Hochrisikogruppe zu rechnen sind.

Bei den verwendeten Impfstoffen handelt es sich um Tot-Vakzine, deren Verabreichung bei den immunsupprimierten Patienten daher prinzipiell möglich ist (hier ist grundsätzlich auf die Empfehlungen der STIKO zur Impfung immunsupprimierter Patienten zu verweisen, 2). Spezielle Untersuchungen zur Impfantwort und auch zum Impfrisiko liegen allerdings für diese Patientengruppe bisher nicht vor. Es bleibt also vorerst unklar, wie wirksam und verträglich die Impfung für die Patienten ist. Hierüber ist der Patient aufzuklären, insbesondere da bisher nicht bekannt ist, ob und in welchem Ausmaß die Erkrankung selbst oder die Impfung Schübe der rheumatischen Grunderkrankung auslösen können. Nach bisheriger Erkenntnis ist die Impfung zweimal im Abstand von mindestens zwei Wochen durchzuführen.

Die Frage, ob der Rheumatologe die Impfung selbst vornehmen oder an den Hausarzt delegieren sollte, muss je nach individuellen Gegebenheiten vor Ort entschieden werden. Wer sich zur Impfung in der eigenen Praxis entschließt, hat mit erheblichem logistischem Aufwand zu rechnen: So muss z.B. die Lösung eines der für Massenimpfungen angelegten Impfstoffe jeweils für zehn Patienten zubereitet und am gleichen Tag komplett verwendet werden. Die "normale" alljährliche Influenza-Impfung sollte unbedingt zusätzlich vorgenommen werden, ein spezieller zeitlicher Abstand zwischen beiden Impfungen ist nicht vorgegeben. Aus allgemeinen Überlegungen (Zuordnung einer eventuellen Impfreaktion) ist aber sicherlich zunächst von einer Doppel-Impfung am gleichen Tag abzuraten.

Literaturhinweis:
(1) Neue Influenza - Aktuelle Situation und Strategie. Deutsches Ärzteblatt 106, Heft 33, 14. August 2009
(2) Epidemiologisches Bulletin der STIKO 30/2009 vom 27.7.2009.


Wichtige Links:
Robert-Koch-Institut, mehr
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin DEGAM, mehr

 

Klaus Krüger und die Kommission Pharmakotherapie der DGRh, 08.10.2009