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Behandlung von Patient:innen mit aktiver Lupusnephritis (LN) nach Marktrücknahme von Voclosporin in Deutschland

Das Immunsuppressivum Voclosporin wird seit dem 1. Januar 2024 in Deutschland nicht mehr vertrieben und steht daher nicht mehr für die Behandlung von Patientinnen mit LN zur Verfügung. Voclosporin ist von der European Medicines Agency (EMA) in Kombination mit Mycophenolat-Mofetil für erwachsene Patient:innen mit aktiver Lupusnephritis der Klassen III, IV oder V (einschließlich gemischter Klassen III/V und IV/V) zugelassen. Vertrieben wird Voclosporin unter dem Präparatenamen Lupkynis® von der Firma Otsuka.

Die Entscheidung zur Einstellung des Vertriebs in Deutschland traf die Firma im Rahmen laufender Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband. Hintergrund ist eine reguläre Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsverfahrens AMNOG. Dabei erkannte der G-BA keinen Zusatznutzen für Voclosporin. Die formalen Preisverhandlungen laufen offiziell bis zum 28. Februar 2024.

Im vergangenen Jahr hatte die DGRh eine Stellungnahme zur Bewertung des IQWIG beim G-BA eingereicht und diese anschließend im öffentlichen Anhörungsverfahren vertreten. Die Fachgesellschaft legte darin substantiiert dar, weshalb Voclosporin einen Zusatznutzen bei der Behandlung der Lupusnephritis bietet. In einem Schreiben an den G-BA vom 22. Januar 2024 bat der Vorstand der DGRh darum, das Verfahren gemeinsam zu überprüfen.

Die Firma Otsuka teilte mit (Stand 1. Januar 2024), dass sie die noch im Handel befindlichen Produkte bis voraussichtlich Ende März abverkaufen werde. Darüber hinaus ist ein Einzelimport von Lupkynis® 7,9 Weichkapseln nach §73 Abs. 3 AMG nach Deutschland prinzipiell möglich. Für die Abrechnung im Rahmen einer Einzelfallentscheidung ist aber eine schriftliche Genehmigung der Krankenkasse erforderlich. Falls Sie bereits Patient:innen mit Voclosporin behandelt haben und die Therapie aus medizinischen Gründen unbedingt fortgesetzt werden sollte, können Sie sich für ihre Patient:innen um einen Einzelimport bemühen. Auf Antrag und mit Genehmigung der Krankenkasse kann die Apotheke das Präparat über den Großhandel für einen begrenzten Zeitraum beziehen oder einen Einzelimport veranlassen.

Die schwere Lupusnephritis ist eine seltene Erkrankung. Trotz der Verfügbarkeit wirksamer Therapien (mit einem anderen Wirkmechanismus als Voclosporin) führt sie in 10-20% der Fälle langfristig zu einer terminalen Niereninsuffizienz. Dies ist verbunden mit hohen Kosten für Dialyse und Transplantation, erheblichem Leidensdruck und einer deutlichen Übersterblichkeit der betroffenen, oft jungen Patient:innen. Voclosporin wurde von der EMA aufgrund eines eindeutigen Ergebnisses hinsichtlich des Erreichens eines kompletten renalen Ansprechens in einer Phase-3-Studie zugelassen und wird in den aktuellen Empfehlungen der EULAR zum Management des systemischen Lupus erythematodes (SLE) ausdrücklich als wichtige Option in der Erst- oder Zweitlinientherapie der Lupusnephritis empfohlen [i].

Für Patient:innen mit Lupusnephritis, die bisher mit Voclosporin behandelt wurden oder bei denen eine Therapie mit Voclosporin als Zusatztherapie zur immunsuppressiven Basistherapie mit MMF sinnvoll sein könnte, kommen gemäß EULAR-Empfehlungen bei ausgeprägter Proteinurie alternativ die Wirkstoffe Belimumab oder Tacrolimus in Frage. Allerdings zeigte eine Subanalyse für Belimumab bei einer großen Proteinurie von >3 g/Tag bzw. 3 g/g Kreatinin keinen Effekt [ii]. Tacrolimus ist ein Calcineurininhibitor wie Voclosporin, welcher aber in Europa nicht für die Lupusnephritis zugelassen ist.

 

[i] Fanouriakis A, Kostopoulou M, Andersen J, Aringer M, Arnaud L, Bae SC, Boletis J, Bruce IN, Cervera R, Doria A, Dörner T, Furie RA, Gladman DD, Houssiau FA, Inês LS, Jayne D, Kouloumas M, Kovács L, Mok CC, Morand EF, Moroni G, Mosca M, Mucke J, Mukhtyar CB, Nagy G, Navarra S, Parodis I, Pego-Reigosa JM, Petri M, Pons-Estel BA, Schneider M, Smo-len JS, Svenungsson E, Tanaka Y, Tektonidou MG, Teng YO, Tincani A, Vital EM, van Vollen-hoven RF, Wincup C, Bertsias G, Boumpas DT. EULAR recommendations for the manage-ment of systemic lupus erythematosus: 2023 update. Ann Rheum Dis. 2024 Jan 2;83(1):15- 29. doi: 10.1136/ard-2023-224762. PMID: 37827694.

[ii] Rovin BH, Furie R, Teng YKO, Contreras G, Malvar A, Yu X, Ji B, Green Y, Gonzalez-Rivera T, Bass D, Gilbride J, Tang CH, Roth DA. A secondary analysis of the Belimumab International Study in Lupus Nephritis trial examined effects of belimumab on kidney outcomes and preservation of kidney function in patients with lupus nephritis. Kidney Int. 2022 Feb;101(2):403-413. doi: 10.1016/j.kint.2021.08.027.

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