Pressemitteilung | 04. März 2025
Fasten gilt seit Jahrhunderten als gesundheitsförderlich. Für Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises liegen nur wenige Studien vor, die Effekte des Fastens auf die Aktivität der Entzündung erfasst haben. Eine Untersuchung aus den 1990er Jahren spricht dafür, dass eine Fastenperiode bei rheumatoider Arthritis (RA) Symptome dieser Erkrankung lindern könnte. Positive Effekte werden auch für Betroffene von Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 berichtet. Diese Begleiterkrankungen finden sich häufig bei Patient:innen mit rheumatischen Erkrankungen. Die Kommission für Komplementäre Heilverfahren und Ernährung der DGRh hat die vorliegende Evidenz zum Fasten gesichtet: Bei ausgewählten Patient:innen kann diese Methode sinnvoll in ein rheumatologisches Therapiekonzept integriert werden.
Heilfasten kann auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden. Allen Verfahren gemeinsam ist der Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für eine begrenzte Zeit. Dabei wird dem Körper nur eine geringe Menge an Energie zugeführt, beispielsweise durch Brühe oder Säfte. Tierexperimentelle Daten sprechen für positive Effekte des Fastens auf Stoffwechsel und Immunsystem.
Rheumatologische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis (RA) gehen mit chronischen Entzündungen von Gelenken aber auch inneren Organen einher. Vor mehr als 30 Jahren zeigte eine Studie an Patient:innen mit stabil eingestellter RA, dass nach einer Fastenperiode die Zahl schmerzhafter und geschwollener Gelenke zurückging. Die Studie weist nach heutigen Qualitätskriterien einige Schwächen auf. Allerdings sind bei Patient:innen mit Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ 2 positive Effekte auf Blutdruck und Stoffwechsel durch das Fasten nachgewiesen worden, und ein relativ hoher Anteil von RA-Patienten weist diese Begleiterkrankungen auf.
Fasten in einem begrenzten Zeitraum von 5 bis 10 Tagen kann, insbesondere bei RA-Patienten mit Übergewicht und metabolischem Syndrom, eine ergänzende Maßnahme zur konventionellen Rheumatherapie sein.
"Voraussetzung ist, dass derartige Interventionen von Ärztinnen und Ärzten begleitet werden, die Erfahrungen auf dem Gebiet rheumatischer Erkrankungen und der Ernährungsmedizin haben“, erklärt Professor Dr. med. Gernot Keyßer.
Besonders interessant ist das Fasten in Kombination mit einer nachfolgenden Ernährungsumstellung auf eine mediterrane Kost oder eine andere Kostform mit überwiegend pflanzlicher Nahrung. Die mediterrane Ernährungsform ist gekennzeichnet durch einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren, Ballaststoffen und Antioxidantien aus Gemüse, Obst, Nüssen und Olivenöl. Nahrungsmittel, die Entzündungen fördern, wie rotes Fleisch, gesättigte Fette (zum Beispiel Butter, Schmalz) und Zucker, werden dafür stark reduziert. Eine vegane oder glutenfreie Ernährung wird jedoch nicht empfohlen. „Ein richtig durchgeführtes Heilfasten, gefolgt von einer pflanzenbasierten Ernährung, kann bei ausgewählten Patientinnen und Patienten den Krankheitsverlauf einer RA positiv beeinflussen, wenn diese Maßnahmen in ein sinnvolles medikamentöses Therapiekonzept eingebettet werden“, betont auch Keyßer.
Egal ob Fasten oder nur der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel: Fasten ist nicht für alle geeignet. „Personen mit starkem Untergewicht, Essstörungen oder bestimmten Vorerkrankungen wie Gicht sollten auf Fasten verzichten. Auch die Anpassung bestehender Medikamente muss beim Fasten berücksichtigt werden. Patientinnen und Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen sollten vorab immer den ärztlichen Rat einholen“, so Keyßer. „Die richtige Vorbereitung und ärztliche Begleitung sind entscheidend, um Risiken zu vermeiden und die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.“
Die DGRh-Kommission für Komplementäre Heilverfahren und Ernährung sieht im ärztlich begleiteten Fasten eine Ergänzung zur medikamentösen Rheumatherapie. „Fasten und eine langfristige Ernährungsumstellung können bei ausgewählten Patienten unterstützende Bausteine einer Komplextherapie darstellen“, betont auch DGRh-Vorstand Professor Dr. med. Ulf Wagner, Leipzig. „Allerdings sind für eine Bewertung der langfristigen Auswirkungen des Fastens – insbesondere bei wiederholter Anwendung – weitere wissenschaftliche Studien nötig.“
- Bei Abdruck Beleg erbeten. -
Bäcklund, R. T., Drake, I., Bergström, U., Compagno, M., Sonestedt, E., & Turesson, C. (2023). Diet and the risk of rheumatoid arthritis: A systematic literature review. Seminars in Arthritis and Rheumatism, 58, 152118. https://doi.org/10.1016/j.semarthrit.2022.152118
Michalsen, A. Ernährung und Fasten. Z Rheumatol 83, 697–705 (2024). https://doi.org/10.1007/s00393-024-01557-0
Stephanie Priester
Pressestelle DGRh
Thieme Kommunikation
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
+49 711 8931 167
Anna Julia Voormann
Generalsekretärin
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V.
Geschäftsstelle der DGRh
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, Aufgang C
10179 Berlin
+49 30 240 484 79