Jubiläum: 90 Jahre DGRh

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) e.V. ist im Jahr 2017 90 Jahre alt geworden: am 27. Januar 1927 gründete sich die „Deutsche Sektion des Internationalen Komitees zur Erforschung und Behandlung des Rheumas“ und schon im August desselben Jahres entstand daraus die „Deutsche Gesellschaft für Rheumabekämpfung“. Heute vereint die DGRh mehr als 1.400 Mitglieder. Sie repräsentiert die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und fördert deren Entwicklung. Im Jubiläumsjahr beleuchtet die DGRh ihre Geschichte, richtet den Blick aber auch in die Zukunft.

Ihren Ursprung nimmt die DGRh im Bäderwesen und der Balneologie – einer gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon bedeutenden Forschungsrichtung, sagt Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh aus Heidelberg: „Dass sich daraus eine wissenschaftlich so aktive und weltweit renommierte Rheumatologie entwickeln würde, werden die Gründerväter leider nicht mehr erfahren." Schon 1929 rief die Fachgesellschaft in Berlin eine Rheumaberatungsstelle ins Leben. Diese wies mit Flugblättern auf Fakten hin, die heute nicht minder aktuell sind: wie wichtig frühes Erkennen und Behandeln rheumatischer Erkrankungen ist. Diese Anlaufstelle war jedoch die einzige ihrer Art. „Glücklicherweise haben wir heute mit der Deutschen Rheuma-Liga einen starken Partner, der bundesweit die Belange der Patient:innen vertritt“, so Lorenz.

Schon zum 80-jährigen Jubiläum befasste sich Dr. med. Torsten Hewelt medizinhistorisch für die DGRh intensiv mit deren Vergangenheit, auch mit den dunklen Kapiteln. Nach 1933 erfolgte „eine Umstrukturierung im Sinne der neuen politischen Richtung“. Jüdische Ärzt:innen mussten in der Rheumatologie aus ihren Ämtern zurücktreten. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte die Rheumatologie hierzulande ähnlich der deutsch-deutschen Geschichte eine Phase der Teilung. „Die beiden Gesellschaften fusionierten 1990 jedoch sogar noch vor der offiziellen Vereinigung von DDR und Bundesrepublik“, so Hewelt, der darüber im Jahr 2009 in Gießen promovierte.

Seit der Wende entwickelten sich die DGRh und die Rheumatologie in Deutschland als wissenschaftlich hoch modernes Fach weiter. „Trotz der weltweit anerkannten fachlichen Errungenschaften stehen wir auch heute noch vor Problemen und Grenzen, die eine bestmögliche Versorgung unserer Patient:innen erschweren“, betont Professor Lorenz. Um diese sicherzustellen, bedarf es mehr internistischer Rheumatolog:innen – heute sind dies nur etwa 750 in ganz Deutschland. Zudem verfügen von 37 medizinischen Fakultäten in Deutschland nur sieben über einen rheumatologischen Lehrstuhl, mahnt Lorenz: „Die internistische Rheumatologie muss an deutschen Universitäten stärker vertreten sein und gestärkt werden – der fachliche Output unseres Faches übersteigt bei weitem dessen personelle Repräsentanz in der Wissenschaft.“

Die DGRh fördert den dringend gefragten rheumatologischen Nachwuchs auf verschiedensten Wegen. Sie kann dies jedoch nicht allein leisten, sagt Professor Lorenz: „Auch die Politik und das Gesundheitssystem müssen Strukturen schaffen, die es einem kleinen, aber bedeutenden Fach wie unserem erlauben, die große Zahl der betroffenen Patient:innen angemessen zu versorgen.“ Dazu gehört, Leistungs- und Fallzahlbegrenzungen aufzuheben, damit sich internistische Rheumatologen schwerpunktmäßig um Patient:innen mit chronisch-entzündlich rheumatischen Erkrankungen kümmern können. Dies würde auch besser gelingen, wenn sie ausgewählte Leistungen an rheumatologisch geschulte medizinische Fachangestellte übertragen könnten. Auf der anderen Seite müsse die akutstationäre Versorgung sichergestellt sein, ebenso wie die rheumatologische Rehabilitation. Ein Ziel der DGRh ist zudem die Versorgung aller Patient:innen in Versorgungsnetzwerken.

Im Rahmen einer weiteren medizinhistorischen Doktorarbeit wird die DGRh im Jubiläumsjahr 2017 ein umfangreiches und bisher nicht digitalisiertes Privatarchiv aufarbeiten: Als Kenner der Fachgesellschaft hat Professor Dr. med. Wolfgang Keitel in Vogelsang-Gommern das Geschehen rund um die DGRh über Jahrzehnte dokumentiert. „Wir rechnen dabei mit vielen interessanten Funden und möchten auf diese Weise Interessierten unsere Geschichte noch besser zugänglich machen“, sagt Professor Lorenz. Zudem hat die DGRh bereits in den vergangenen Jahren die Biografien ihrer Präsident:innen über Jahrzehnte zurückverfolgt. Im Jubiläumsjahr präsentiert sie Auszüge davon auf der Homepage der Fachgesellschaft, im Rahmen ihres Kongresses und über weitere Kanäle.

Unsere Jubiläumstexte

Schon im Jahr 1913 beschlossen Balneologen auf einem Kongress, die Erforschung der rheumatischen Erkrankungen durch internationale Zusammenarbeit zu intensivieren. Ein Ziel war es, die Unterschiede in der Nomenklatur und die Vielfalt der Behandlungen rheumatischer Erkrankungen in den einzelnen Ländern zusammenzuführen und zu vereinheitlichen. Der Erste Weltkrieg und seine zerstörerischen Folgen verzögerten dieses Vorhaben. Auch die Rheumaforschung geriet dadurch über mehrere Jahre ins Stocken. Nach dem Krieg nahmen schließlich insbesondere britische Wissenschaftler die Arbeit daran wieder auf.

Schnell wurde klar: Man hatte den volkswirtschaftlichen Schaden unterschätzt, der durch Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises verursacht wurde. Um dem entgegenzuwirken, musste die Rheumaforschung international intensiviert werden. Vertreter aus 24 Nationen gründeten deshalb im Jahr 1926 das „International Committee on Rheumatism“, dem der Engländer Robert Fortescue Fox als Präsident und der Niederländer Jan van Breemen als Generalsekretär vorstanden. Eduard Dietrich vertrat Deutschland in diesem Gremium. Die einzelnen Ziele des Komitees sollten auf nationaler Ebene umgesetzt werden, weshalb noch im gleichen Jahr in 17 Ländern Sektionen gebildet wurden. Aus der „Deutschen Sektion des Internationalen Komitees zur Erforschung und Bekämpfung des Rheumas“ ging im Jahr 1927 die „Deutsche Gesellschaft für Rheumabekämpfung“ hervor, deren Vorsitzender Eduard Dietrich wurde. Max Hirsch wurde zum Schriftführer gewählt.

Die Anfangsjahre der Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung prägten Tagungen und Fortbildungskurse, die Errichtung von Rheumaforschungs- und Rheumabehandlungszentren sowie zahlreiche Veröffentlichungen. Ziel war es, die Gesellschaft und ihre Arbeit in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, um so auf die Problematik der rheumatischen Erkrankungen aufmerksam zu machen.

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009

Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009

Foto: Die wissenschaftlichen Vereinigungen im deutschen Heilbäderwesen 1878 - 1994. Dr. Gerhard Hüfner, Flöttmann Verlag GmbH 1994

Gründervater mit tragischem Schicksal

Max Hirsch wurde 1875 in Kwieciszewo/Blütenau in der Provinz Posen (Polen) geboren. Im Jahr 1900 promovierte er an der Universität Freiburg im Breisgau „Zur Casuistik des Scharlachs“. Von 1914 bis 1918 arbeitete er als Militärarzt. Nach Kriegsende widmete er sich vor allem der Weiterentwicklung von Balneologie und Rheumatologie. Zunächst als Schriftführer, später als Generalsekretär gab Max Hirsch der Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung entscheidende Impulse.

Als enger und langjähriger Wegbegleiter von Eduard Dietrich, mit dem er gemeinsam bereits als Generalsekretär die Geschicke der Balneologischen Gesellschaft seit 1920 in Händen hielt, nahm er sich 1927 mit Schaffensfreude der anstehenden Aufgaben in der Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung an. Die Gesellschaft wollte sich im internationalen Komitee etablieren. Eine allgemeingültige Nomenklatur sollte abgefasst und statistisches Material gesammelt werden. Max Hirsch gründete 1927 darüber hinaus die „Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung“. Gemeinsam mit Eduard Dietrich gab er 1929 und 1931 das „Rheumajahrbuch“ heraus. Als Generalsekretär vertrat er den Präsidenten Dietrich während seiner Amtszeit (1927-1933) in der International League of Associations for Rheumatology (ILAR). Zu den weiteren Verdiensten von Max Hirsch zählen neben zahlreichen Publikationen auch die Vorbereitung von Fortbildungsveranstaltungen und Kongressen. Seine Verbindungen zu Robert Fortescue Fox und Jan van Breemen sowie zu den Balneologen waren wesentliche Triebfeder für die Gründung der „Deutschen Sektion des Internationalen Komitees zur Erforschung und Bekämpfung des Rheumas“ und für die künftige rheumatologische Fachentwicklung.

Im April 1933 legten Eduard Dietrich und sein Generalsekretär Max Hirsch sämtliche Ämter in der Balneologischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Rheumabekämpfung nieder. Max Hirsch emigrierte zunächst in die Schweiz, später nach Osteuropa. Belege für Aufenthalte in Moskau, Leningrad und Riga zeichnen seinen damaligen Fluchtweg. Am 19. Juli 1941 verliert sich seine Spur.

 

Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009

Wolfgang Keitel, Leif Olsson. Max Hirsch. Rheumatologe und Badearzt. Ein jüdisches Schicksal. Wettin-Löbejün OT Dößel, 2013

Leiter der Fachgesellschaft im Nationalsozialismus

Die Präsidentschaft (1933-1944) von Heinrich Vogt fiel in eine politisch unruhige Zeit. Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden sämtliche demokratische Strukturen des öffentlichen Lebens beseitigt. Die wissenschaftlichen Gesellschaften mussten sich Ende Mai 1933 mit neuen Regelungen befassen: Eine Mitgliederversammlung hatte einen Vorsitzenden zu wählen, der vom Ministerium des Innern bestätigt werden musste. Der Vorsitzende wiederum bestimmte die Mitglieder des Vorstandes und legte ihre Amtsdauer fest. Für die Posten kamen ausschließlich „Arier“ in Betracht. Zunächst als Notvorstand eingesetzt, initiierte Heinrich Vogt am 28. November 1933 im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung die erforderlichen Satzungsänderungen, die letztlich in einer Verfügung vom 18. Januar 1934 genehmigt wurden.

Heinrich Vogt, der seit 1933 auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Bäder- und Klimakunde war, wollte unter anderem erreichen, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Rheumabekämpfung als eine von der Balneologie losgelöste (Fach-)Gesellschaft mit volksgesundheitlichen Aufgaben positionierte. Er setzte sich für die in seinen Augen „vernachlässigte“ Rheumafürsorge und -prophylaxe in Deutschland ein. Mit der Errichtung und Leitung der „Reichsanstalt für das deutsche Bäderwesen Breslau“ im Jahr 1936 leistete Heinrich Vogt für die Balneologie und Rheumatologie einen wichtigen Beitrag, da die Forschung dadurch zentral koordiniert werden konnte. Kriegsbedingt wurde die Arbeit der Gesellschaft und auch der Reichsanstalt zunehmend erschwert und kam 1944 zum Erliegen. Vogt geriet in lange Kriegsgefangenschaft. Nach deren Ende ließ er sich in Bad Pyrmont nieder. Hier bemühte er sich um den Wiederaufbau des Bäderwesens.

Die Quellenlage lässt keinen objektiven Schluss über Vogts politische Einstellung zu. Walther Amelung, ein Freund und Schüler von Heinrich Vogt, bezeichnete ihn als Mann, „der innerlich dem Nationalsozialismus fernstand“. Offensichtlich hatte Vogt aber keine Schwierigkeiten, in Zeiten des Nationalsozialismus Karriere zu machen.

 

Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009

Der erste Präsident

Während des Deutschen Bädertages in Bad Neuenahr vom 9. bis 12. Oktober 1949, wurde in der Bundesrepublik Deutschland die „Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie“ (DGRh) gegründet, organisatorisch eingebunden in den Deutschen Bäderverband. In den 1950er- Jahren trennte sich die Gesellschaft vom Bäderverband und konstituierte sich 1956 als eigenständiger und eingetragener Verein. Trotz Namensänderung sah sich die „Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie“ mit ihrem ersten Präsidenten Rudolf Schoen (1949-1951) in der Nachfolge der „Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung“.

Wissenschaftliches Organ der DGRh wurde die „Zeitschrift für Rheumatologie“. Gleich in der ersten Ausgabe nach Kriegsende wandte sich die Zeitschrift an die Schweizer Rheumatologen – ein erster erfolgreicher Schritt aus der kriegsbedingten internationalen Isolation der deutschen Rheumatologie. Die Gesellschaft bemühte sich in den darauffolgenden Jahren um eine Anerkennung in der internationalen Forschergemeinde. Mit Erfolg: Im Jahr 1951 nahmen in Barcelona erstmals nach dem Krieg deutsche Rheumatologen an einem europäischen Rheumatologen-Kongress teil. Karl Max Walthard, Vorsitzender der „Schweizerischen Gesellschaft für physikalische Medizin und Rheumatologie“, setzte sich auf diesem Kongress erfolgreich für die Wiederaufnahme Deutschlands in die EULAR (European League Against Rheumatism) ein. Die deutschen Rheumatologen waren damit – auch formal – wieder in die europäische Forschergemeinde eingebunden.

Als Leiter der Medizinischen Klinik beteiligte sich Rudolf Schoen nach dem Krieg entscheidend am Wiederaufbau der Universität Göttingen, vor allem der Medizinischen Fakultät. Maßgeblich trug er zur Gründung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bei, deren Gründungsrektor er wurde (1965-1967). Im Jahr 1954 ernannte ihn die DGRh zum ständigen Ehrenpräsidenten und zum Ehrenmitglied. Heute erinnern noch der von der DGRh vergebene Rudolf-Schoen-Preis und das Rudolf-Schoen-Stipendium an den ersten Nachkriegspräsidenten der Gesellschaft.

 

Quellenangabe:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) bemühte sich in den Nachkriegsjahren intensiv um internationalen Anschluss und Austausch in der Forschung. Das 1949 in den USA entdeckte Kortison war damals ein viel diskutiertes Thema, verbesserte es doch erheblich die Behandlung von Rheumapatienten. Die DGRh beteiligte sich an der Arbeit der „Internationalen Liga gegen den Rheumatismus“ (ILAR) und der „European League Against Rheumatism“ (EULAR). Darüber hinaus veranstaltete sie Kongresse mit anderen deutschsprachigen Rheumagesellschaften (Schweiz, Österreich) sowie mit anderen deutschen Fachgesellschaften ab. Im Jahr 1952 tagten erstmals alle deutschsprachigen Rheumatologengesellschaften auf einem Kongress in Bad Ragaz (Schweiz). Der Zusammenhang zwischen der Genetik und rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen wurde dabei auch erstmals ausführlicher diskutiert.

Im April 1968 hielten im Rahmen des Wiesbadener Internistenkongresses zum ersten Mal Rheumatologen und Internisten am letzten Kongresstag eine gemeinsame Sitzung ab. Victor Rudolf Ott, DGRh-Präsident von 1967 bis 1968, betonte damals in seinem Grußwort an die Internisten, dass „die Tagung die lebenswichtigen Beziehungen zwischen der Inneren Medizin und der Rheumatologie unter Beweis stellen [wird], eine Beziehung, welcher die auch in Deutschland zur Eigenständigkeit heranreifende Rheumatologie immer mit verantwortungsbewusstem Stolz eingedenk bleiben wird.“ Bereits 1965 hatte sich der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) gegründet. Der Verband vereinigte Ärzte aus den Fachgebieten Innere Medizin und Orthopädie. Wichtige Ziele des BDRh waren zunächst die Regelung der Weiterbildung in der Rheumatologie sowie die Schaffung einer Teilgebietsbezeichnung Rheumatologie.

Diese Entwicklung unterstrich einmal mehr den interdisziplinären Charakter des rheumatologischen Faches.

Quellenangabe:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009
 

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging auch die Rheumatologie in Deutschland getrennte Wege: Auf dem Deutschen Bädertag in Bad Neuenahr vom 9. bis 12. Oktober 1949 konstituierte sich in der Bundesrepublik Deutschland die „Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie“ (DGRh). In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) rief der Chirurg Hans Tichy 1948 in Dresden-Klotzsche ein Rheumainstitut ins Leben, das später als „Zentralstelle für Rheumabekämpfung“ den Aufbau der Rheumadispensaires* in den Kreisen leitete. Die Gründung der „Gesellschaft für Rheumatologie der DDR“ erfolgte 1967.

Im Jahr 1970 trennten sich – zumindest formal – ost- und westdeutsche Rheumagesellschaften. Der Vorstand der ostdeutschen Rheumagesellschaft versuchte, sich gegen die von der Politik geforderten Austritte aus der westlichen Gesellschaft zu wehren - allerdings erfolglos. Auf Wunsch von Bruno Schuler, Präsident der DGRh von 1969 bis 1970, sollten aber bestehende persönliche Kontakte unter den Mitgliedern beider Gesellschaften nach Möglichkeit weiter gepflegt werden. Die Kollegen aus beiden Staaten begegneten sich auf den innerdeutschen und internationalen Kongressen – soweit sie von den ostdeutschen Kollegen besucht werden durften – stets fair und freundschaftlich. 1979 holte Klaus Miehlke, Präsident der DGRh von 1977 bis 1978, den EULAR-Kongress in die Bundesrepublik Deutschland. Mit der Ausrichtung des Europäischen Rheumakongresses in Wiesbaden war der Höhepunkt auf dem Weg zur internationalen Anerkennung der DGRh erreicht.

Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Rheumagesellschaften erfolgte 1990 in Hannover im Rahmen der 24. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, unter Leitung des damaligen Kongress- und DGRh-Präsidenten Henning Zeidler. Die in den Jahren zuvor gesammelten Erfahrungen aus unterschiedlichen Gesundheitssystemen flossen in den seit 1991 geförderten Aufbau der Regionalen Kooperativen Rheumazentren ein und kamen auch den Beratungen in den verschiedenen Kommissionen und Arbeitskreisen der Gesellschaft zugute.

* Als Dispensaire wurde im Gesundheitswesen der DDR eine in den 1950er-Jahren aus dem sowjetischen Gesundheitswesen übernommene Methode der ambulanten Behandlung in den Polikliniken bezeichnet. Sie umfasste die frühzeitige und vollständige Erfassung aller von einer bestimmten Krankheit Bedrohten und Gefährdeten, die Frühbehandlung aller Erkrankten sowie die Nachsorge und Rehabilitation.

Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009
Hewelt Torsten (2011) Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie 1947-2007.
Z Rheumatol (70): 64-68
75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie 
Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Dispensaire

Organisierte Selbsthilfe für Patienten

In den 1960er-Jahren war die Situation für rheumakranke Menschen in Deutschland unzureichend. Die Therapiemöglichkeiten waren begrenzt. Krankengymnastik und Ergotherapie wurden kaum angeboten. Eine organisierte Selbsthilfe gab es nicht. Rheumapatienten mussten oft lange nach einem fachkundigen Arzt suchen, da es kaum niedergelassene Rheumatologen und in Westdeutschland nur eine einzige auf Kinderrheumatologie spezialisierte Klinik gab.

Angesichts dieser Situation fassten Betroffene und Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) wie Bruno Schuler, Hartwig Mathies und Klaus Miehlke den Entschluss, in der Bundesrepublik eine Patientenorganisation zu gründen. Diese sollte sich am Vorbild der Sozialen Ligen in der Schweiz, den Niederlanden und Schweden orientieren. Am 9. Dezember 1970 konstituierte sich die Deutsche Rheuma-Liga, ein Verein für rheumakranke Menschen. Die Rheuma-Liga entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte zur größten Patientenorganisation für Selbsthilfe in Deutschland. Auf medizinisch-fachlicher Ebene arbeitet sie mit der DGRh seit jeher eng zusammen. Über die Rheumastiftung sind beide Vereine direkt miteinander vernetzt.

Die Deutsche Rheuma-Liga ist mit 300.000 Mitgliedern der größte Selbsthilfeverband im Gesundheitswesen. Die 16 Landes- und drei Mitgliedsverbände bieten unter anderem Hilfe und Selbsthilfe für die Betroffenen, die Aufklärung der Öffentlichkeit und die Vertretung der Interessen Rheumakranker gegenüber Politik, Gesundheitswesen und Öffentlichkeit.   

Quellenangaben:

Deutsche Rheuma-Liga
rheuma-online

Der Aufbau der Rheumaforschung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ist eng mit dem Namen Hans Tichy (1888-1970) verbunden. Hans Tichy übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg die Leitung des staatlichen Rheumaforschungsinstituts in Bad Elster. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in den Jahren 1933-1937 wurde ihm dort 1948 gekündigt. Auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland errichtete Hans Tichy dann in dem Dresdner Stadtteil Klotzsche in einem Altenheim eine Rheumaambulanz, die zu einem Rheumainstitut und im Laufe der Zeit zu einer „Zentralstelle für Rheumabekämpfung“ ausgebaut wurde. Von dort gingen zahlreiche Impulse für die Rheumatologie der DDR aus. Es wurden erste internationale Kontakte geknüpft und der Aufbau des rheumatologischen Dispensairesystems* vorangetrieben.

Im Jahr 1952 gründete sich der „Arbeitskreis für Erforschung und Bekämpfung des Rheumatismus“, eine Vorstufe der Gesellschaft für Rheumatologie. Vorsitzender wurde Hans Tichy, sein Stellvertreter Werner Otto (1921-2007). Acht Jahre später legte Hans Tichy aus Altersgründen den Vorsitz nieder. Sein Nachfolger wurde Kurt Seidel (1914-1989), Stellvertreter waren Werner Otto und Gerhard Heidelmann (1918-1999). Der Arbeitskreis organisierte sich neu und wurde zur „Problemkommission Rheumatologie“. Diese Kommission konzentrierte sich bei ihrer Arbeit vor allem auf Themen aus der Forschung und erarbeitete ein „Perspektivprogramm zur Bekämpfung der Rheumatischen Krankheiten“. Wichtiges Ergebnis dieser Arbeiten war die Einführung der Langzeitrezidivprophylaxe mit Penicillin bei akutem rheumatischem Fieber im Jahr 1960. Infolge der konsequent durchgeführten Rezidivprophylaxe senkte sich die Rezidivquote des rheumatischen Fiebers deutlich. In der Folge veränderten sich die Aufgaben der kardio-rheumatologischen Dispensaires, so dass sich 1965 die beiden Fachrichtungen trennten und sich die rheumatologischen Dispensaires vermehrt den arthrologischen Krankheitsbildern widmeten.

Angesichts der vielfältigen Aufgaben wurde bald deutlich, dass das Rheumainstitut als zentrale Einrichtung der DDR unzureichend war. Das „Zentrum für Rheumaforschung“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde daher 1964 zur „Leit- und Koordinierungseinrichtung für die Wissenschaftsorganisation der Rheumaforschung in Abstimmung mit der Problemkommission Rheumatologie“ ernannt. 1968 erfolgte die Umbildung in eine „Arbeits- und Forschungsgemeinschaft (AFG) Rheumatologie“.

Die Gründung der Gesellschaft für Rheumatologie der DDR

1965 diskutierte man innerhalb der Problemkommission die Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft Rheumatologie“. Diese Arbeitsgemeinschaft sollte alle rheumatologisch interessierten Ärzte vereinen und Tagungen sowie Fortbildungen organisieren. Am 10. Juni 1966 konstituierte sich in Leipzig die „Arbeitsgemeinschaft für Rheumatologie innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Klinische Medizin“. Gerhard Heidelmann und Werner Otto wurden vorläufige Vorsitzende. In der Folge kam es zu Neuregelungen innerhalb der medizinisch-wissenschaftlichen Gesellschaften der DDR. Die „Deutsche Gesellschaft für Klinische Medizin“ wurde zur „Gesellschaft für Klinische Medizin der DDR“. Die zugeordneten Arbeitsgemeinschaften bekamen den Status einer Gesellschaft.

Am 1. Juni 1967 fand die erste Mitgliederversammlung der „Gesellschaft für Rheumatologie“ innerhalb der „Gesellschaft für Klinische Medizin der DDR“ statt. Diese Sitzung gilt als die Gründung der Rheumatologengesellschaft der DDR. Zum ersten Vorsitzenden wurde Gerhard Heidelmann gewählt. In der Zeit seiner Präsidentschaft (1966/67-1969) sollte u.a. die ambulante rheumatologische Versorgung der Bevölkerung gesichert werden. Ein Perspektivprogramm aus dem Jahr 1966 sah vor, bis 1970 eine ausreichende Zahl an Ambulanzen zu errichten. Schon 1968 konnte dieses Ziel mit dem Aufbau einer flächendeckenden ambulanten Betreuung der Rheumapatienten erreicht werden. Auch international wurde die Gesellschaft schnell aktiv und übernahm die Aufgabe, die fünfte Koordinierungskonferenz der Rheumatologen sozialistischer Länder 1970 in Berlin zu organisieren und durchzuführen.

Werner Otto musste sich als Vorsitzender der Gesellschaft (1969-1972) mit den Folgen des Ost-West-Konflikts auseinandersetzen. Zunächst scheiterten die Bemühungen der Gesellschaft, in die Europäische Liga gegen Rheumatismus (EULAR) aufgenommen zu werden. Denn in die EULAR aufgenommen werden durfte nur, wer Mitglied in der Internationalen Liga gegen Rheumatismus (ILAR) war. Die ILAR und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkannten jedoch die DDR noch nicht an und verweigerten den Gesellschaften der DDR die Aufnahme. Diese Ablehnung führte zu Missstimmungen innerhalb der Gesellschaft für Rheumatologie und man hielt die Mitgliedschaft von Ärzten der DDR in der westdeutschen Gesellschaft für Rheumatologie für nicht mehr vertretbar. Die Wogen glätteten sich etwas als Werner Otto 1970 bekannt gab, dass die EULAR einer Aufnahme der Gesellschaft für Rheumatologie doch zustimmen würde. Im Juni 1971 wurde die Gesellschaft für Rheumatologie der DDR in die EULAR und in die ILAR aufgenommen. Die Aufnahme der DDR in die WHO erfolgte im Jahr 1973.

Kurt Seidel leitete von 1972 bis 1974 als Präsident die Geschicke der Gesellschaft. Es war eine Zeit politischer Umbrüche. Im Mai 1971 war Erich Honecker zum Staatsratsvorsitzenden gewählt worden. Im Zuge des im gleichen Jahr beschlossenen Fünfjahresplanes sollten das Gesundheitssystem der DDR effizienter gestaltet und die Aufgabenfelder der medizinisch-wissenschaftlichen Gesellschaften erweitert werden. Neben der Durchführung von Kongressen und Symposien ging es um die Verbesserung der wissenschaftlichen Arbeit, die Förderung der Zusammenarbeit mit weiteren Fachgesellschaften und die Mitarbeit an Aufgaben, die vom Gesundheitsministerium übertragen wurden.

Der Vorstand der Gesellschaft für Rheumatologie erhielt vom Gesundheitsministerium den Auftrag, eine Analyse der medizinischen Betreuung der Rheumabekämpfung zu erstellen.Dieser Auftrag wurde an Wolfgang Keitel (geb. 1931) übergeben. Gemeinsam mit einigen Kollegen erstellte er ein Papier zum Stand der medizinischen Versorgung der Rheumatiker in der DDR, das im Herbst 1972 an das Ministerium weitergeleitet wurde.

Die Aufgaben der Gesellschaft unter Vorsitz von Wolfgang Keitel (1974-1976) waren vielfältig.In Folge der am 1. September 1973 eingeführten Subspezialisierung Rheumatologie als Teilgebiet der Inneren Medizin setzte sich der Vorstand mit Fragen der Aus- und Weiterbildung auseinander. In diese Zeit fiel auch die Auflösung des Rheumainstituts in Dresden-Klotzsche Ende 1974. Die „Zentralstelle für Rheumabekämpfung der DDR“ wurde ab dem 1. Januar 1975 dem „Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaften“ in Bad Elster angegliedert.
Viel Zeit investierten die Vorstandsmitglieder in die Vorbereitungen für das von der WHO deklarierte „Weltjahr des Rheumatismus“, das 1977 stattfinden sollte. Darüber hinaus arbeitete man daran, die (soziale) Rehabilitation des Rheumatikers mehr in den öffentlichen Fokus zu rücken. Ein Anliegen war es dabei, die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Physiotherapeuten, Orthopäden und Psychologen zu verbessern. Darüber hinaus sollten Betroffene durch Hilfsgeräte aus dem Bereich der Orthopädietechnik effektiv versorgt werden.

Seit der Gründung war Wolfgang Keitel Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Rheumatologie der DDR. Im Jahr 1990 erfolgte die erneute Wahl mit Übernahme in den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Besondere Verdienste erwarb sich Wolfgang Keitel unter anderem mit dem Auf- und Ausbau der Medizinhistorischen Sammlung Gommern-Vogelsang, in die auch das Archiv der DGRh eingegliedert ist.

Die Amtszeit von Gerhard Wessel als Präsident der Gesellschaft für Rheumatologie der DDR betrug aufgrund mehrfacher Wiederwahl vierzehn Jahre (1976-1990). Möglich war diese verlängerte Amtszeit durch eine entsprechende Änderung der Statuten.In seine Amtszeit fiel unter anderem die Erarbeitung des „Initiativprogramms 1976-1980“, das sich schwerpunktmäßig mit Themen der wissenschaftlichen Arbeit und der Versorgung der Bevölkerung befasste. Zudem wurde ein Perspektivprogramm aufgesetzt, das sich mit der Entwicklung der vergangenen Jahre und den daraus nötigen Konsequenzen auseinandersetzte.

Im April 1990 wurde Holm Häntzschel der erste in einer demokratischen geheimen Wahl gewählte Vorsitzende der Gesellschaft für Rheumatologie der DDR. In dieser Funktion bereitete er die Fusion mit der DGRh vor. Auf der von Henning Zeidler organisierten 24. Tagung der DGRh in Hannover (25.-29. September 1990) wurde die praktische Vereinigung der rheumatologischen Gesellschaften (West und Ost) vollzogen. Häntzschel war im Übergangsvorstand 1990 bis 1992 vertreten.

* Als Dispensaire wurde im Gesundheitswesen der DDR eine in den 1950er-Jahren aus dem sowjetischen Gesundheitswesen übernommene Methode der ambulanten Behandlung in den Polikliniken bezeichnet. Sie umfasste die frühzeitige und vollständige Erfassung aller von einer bestimmten Krankheit Bedrohten und Gefährdeten, die Frühbehandlung aller Erkrankten sowie die Nachsorge und Rehabilitation.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Dispensaire

Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009
Kongress-Poster anlässlich des 75. Bestehens der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, W. Keitel, Gommern-Vogelsang

Deutschland hatte zu Beginn der 1970er-Jahre – im Gegensatz zu den anderen Ländern der Europäischen Gemeinschaft – keine Weiterbildungsordnung für Rheumatologie. Dadurch gab es nicht genügend wissenschaftlich und ärztlich tätigen Nachwuchs. Gesundheitspolitisch relevant und für die Entwicklung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) bedeutsam war daher die am 16. Mai 1980 auf dem 83. Ärztetag in Berlin beschlossene Einführung der Teilgebietsbezeichnung Rheumatologie für Internisten und Orthopäden. Die entsprechende Weiterbildung sollte damals für jeden Facharzt zwei Jahre dauern, wobei mindestens ein Jahr zusätzlich zur Weiterbildung zum Facharzt abgeleistet werden musste. Die Entscheidung des Ärztetages fiel in die Amtszeit von Paul Otte, DGRh-Präsident von 1979 bis 1980.

Das Thema „Weiterbildung“ verlor auch in den Jahren danach nie an Brisanz, wie Anpassungen der Weiterbildungsordnung belegen. Bis heute diskutieren Rheumatologen, Internisten und Orthopäden/Unfallchirurgen gleichermaßen engagiert zu diesem Thema. Ein „Facharzt für Rheumatologie“ konnte sich aus verschiedenen Gründen nicht durchsetzen. Die Rheumatologie ist eine Subspezialisierung der Inneren Medizin und Orthopädie/Unfallchirurgie geblieben.

Die Interdisziplinarität des rheumatologischen Faches, das neben der Inneren Medizin und Orthopädie im Laufe der Zeit auch Vertreter weiterer medizinischer Fachrichtungen vereinigte, sollte in den 1980er-Jahren zu schweren Konflikten innerhalb der DGRh führen. Den Orthopäden, die zahlenmäßig in der DGRh in der Minderheit waren, wurde mündlich zugesichert, dass 1988 ein Orthopäde zum 1. Vizepräsidenten und damit zum designierten Präsidenten gewählt werde. Der Vorstand nahm allerdings im Vorfeld sein Vorschlagsrecht für einen passenden Kandidaten nicht wahr. Die Mitgliederversammlung wählte mit Klaus L. Schmidt dann einen Internisten zum Vizepräsidenten. Das führte zu erheblichen Spannungen innerhalb der Gesellschaft, dennoch kam es zu keinem Bruch zwischen Orthopäden und Internisten. Nachwirkungen dieser Entscheidung waren allerdings noch Jahre später zu spüren.

Unberührt von dieser innergesellschaftlichen Verstimmung kam die Rheumaforschung in den 1980er-Jahren deutlich voran. Die Forschungsförderung im Rahmen des Programms der Bundesregierung „Forschung und Entwicklung im Dienste der Gesundheit“ von 1978 mit ihrem rheumatologischen Schwerpunkt war hierbei ein wichtiger Meilenstein. Projekte zur Rheumafrüherkennung und -diagnostik, zur Therapie-Entwicklung, zur wohnortnahen, kooperativen und kontinuierlichen Versorgung von Rheumakranken und zur Rehabilitation wurden von 1980 bis 1986 über das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMBF) unterstützt. Es gründeten sich verschiedene Modellverbünde. Die Bundesregierung initiierte schließlich ein Förderprogramm zur Einrichtung regionaler, kooperativer Rheumazentren unter rheumatologischer und orthopädischer Leitung. 28 kooperative Rheumazentren konnten daraufhin in Deutschland etabliert werden, heute sind es 30 Zentren. Darüber hinaus wurde 1988 das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin gegründet, dessen Wissenschaftlicher Direktor seit 1996 Andreas Radbruch ist. Durch diese Entwicklung wurden sowohl die Stellung der universitären Rheumatologie als auch die Versorgungsforschung im Bereich der Rheumatologie in Deutschland gestärkt. Insbesondere die 1993 auf den Weg gebrachte Kerndokumentation, die von den Rheumazentren und vom DRFZ in Berlin getragen wird, lieferte wichtige Daten zur Versorgung von Rheumapatienten und machte auch im internationalen Vergleich die Versorgungsdefizite in Deutschland deutlich.

Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009
Hewelt T (2011) Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie 1947-2007. Z Rheumatol (70): 64-68
80 Jahre Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. 

Die Gesundheitsreformen und das Gesundheitsstrukturgesetz vom 21. Dezember 1992 hatten erheblichen Einfluss auf die Arbeit der Rheumatologen in Deutschland. Ziel dieser Maßnahmen war es vor allem, die Ausgabenentwicklung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den Griff zu bekommen. Die Regelungen führten zu empfindlichen Einschnitten in der Forschungsförderung, zu einer verringerten Repräsentanz von Rheumatologen an den Universitäten und vor allem zu Kürzungen im Bereich der Rehabilitation. Ungeachtet dieser Entwicklung intensivierte die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) ihre Kontakte und Beziehungen zu anderen internationalen Rheumagesellschaften, um den Austausch in Forschung und Wissenschaft voranzubringen.

In den 1990er-Jahren gab es eine Reihe an organisatorischen Veränderungen, mit deren Hilfe sich die DGRh den sich wandelnden Bedingungen im Gesundheitssystem stellen wollte. So integrierte die DGRh verschiedene Verbünde aus der Forschungsförderung als Arbeitsgemeinschaften und unterstützte diese bei ihrer Arbeit. Der im Jahr 1992 gegründete „Modellverbund BMG-geförderter Rheumazentren“, ein Zusammenschluss von 21 Rheumazentren, wurde 1996 als „Arbeitsgemeinschaft regionaler kooperativer Rheumazentren“ in die DGRh eingebunden. Das „Kompetenznetz Rheuma“ entstand im Rahmen des BMG-Förderprogramms „Kompetenznetze in der Medizin“ im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss von sechs Rheumakliniken (Universitäten Berlin, Düsseldorf, Erlangen-Nürnberg, Freiburg, Hannover und Lübeck). Seit 2005 ist das Kompetenznetz eine Arbeitsgemeinschaft der DGRh.

Darüber hinaus wurden und werden bis heute in Kommissionen und Arbeitskreisen der DGRh unterschiedliche Themen aus den Bereichen Forschung, studentische Ausbildung, Fort- und Weiterbildung, Patientenschulung, Pharmakotherapie, bildgebende Verfahren, Rehabilitation und Sozialmedizin, Osteologie und Leitlinienentwicklung bearbeitet. Die Kommissionen verfassen Stellungnahmen, Memoranden und Empfehlungen zu wichtigen Grundsatz- und Detailfragen in der Rheumatologie und zur Qualität rheumatologischer Versorgung.

Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009
Hewelt T (2011) Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie 1947-2007.
Z Rheumatol (70): 64-68
75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
80 Jahre Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie 

Die zunehmende Bedeutung der Rheumatologie innerhalb der Medizin machte gegen Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Anpassung der Strukturen innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) erforderlich. Ziel der Umstrukturierung war vor allem der Ausbau der Fachgesellschaft zu einer Dachorganisation für die Rheumatologie in Deutschland. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Rheuma-Liga und weiteren Rheumaorganisationen sollte noch effizienter gestaltet werden. 

Zudem dachte man über Änderungen in der Kongressorganisation nach, denn vor dem Hintergrund der seit dem Jahr 2001 jährlich stattfindenden DGRh-Kongresse war der Verwaltungsaufwand in diesem Bereich deutlich gestiegen. Ekkehard Genth, der von 1999 bis 2000 als Präsident der DGRh vorstand, und Wolfgang Ludwig Gross – DGRh-Präsident in den Jahren 2003 bis 2004 – schoben die erforderlichen Änderungen mit an.

Geschäftsstelle und Generalsekretär

Seit dem Jahr 2000 diskutierte der Vorstand der DGRh über die nötigen Strukturanpassungen und beschloss schließlich, in Berlin eine professionell arbeitende Geschäftsstelle unter Leitung eines Generalsekretärs einzurichten. Der Generalsekretär sollte darüber hinaus erweiterte Aufgabenbereiche, insbesondere die Verfolgung langfristiger Ziele, bekommen. Zur Schaffung dieser Funktion war eine Satzungsänderung erforderlich, mit der das Amt des Schriftführers in das eines Generalsekretärs zur besseren Unterstützung der Arbeit des Vorstands umgewandelt wurde. Die überarbeitete Satzungsänderung wurde am 8. Juni 2004 in Berlin auf der Mitgliederversammlung der DGRh in Berlin angenommen. Erste Generalsekretärin der DGRh wurde die bisherige Schriftführerin Erika Gromnica-Ihle. Unter ihrer Leitung nahm die Geschäftsstelle im Jahr 2004 ihre Arbeit auf.

Rheumatologische Fortbildungsakademie

Noch im gleichen Jahr gründete die DGRh zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) eine Fortbildungs-GmbH. Ziel dieser Fortbildungs-GmbH (heute: Rheumatologische Fortbildungsakademie (Rheumaakademie)) war es, unter Leitung einer eigenen Geschäftsführung wissenschaftliche Konzepte der Aus-, Weiter- und Fortbildung in der Rheumatologie zu fördern. Darüber hinaus sollte die Akademie den Mitgliedern der sie tragenden Verbände und Gesellschaften qualifizierte und neutrale Fortbildung ermöglichen und den Erwerb von CME-Punkten erleichtern. Als weiterer Aufgabenschwerpunkt kam die Organisation und Mitgestaltung von Kongressen und Veranstaltungen hinzu.

Arbeitsgemeinschaft Regionaler Kooperativer Rheumazentren

Die DGRh hatte 1996 den Modellverbund Regionaler Kooperativer Rheumazentren nach Auslaufen der Forschungsförderung als Arbeitsgemeinschaft mit eigenständigen Aktivitäten integriert, um deren Ziele zur Verbesserung der rheumatologischen Versorgung gezielt zu unterstützen (s. auch die Beiträge „Weiterbildung, Interdisziplinarität, Forschung“, „Reformen und organisatorische Veränderungen in den 1990er-Jahren“). Insbesondere die 1993 auf den Weg gebrachte Kerndokumentation, die von den Rheumazentren und von dem 1988 in Berlin gegründeten Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) getragen wird, lieferte wichtige Daten zur Versorgung von Rheumapatienten und machte auch im internationalen Vergleich die Versorgungsdefizite in Deutschland deutlich.

Kompetenznetz Rheuma

Das „Kompetenznetz Rheuma“ entstand im Rahmen des BMG-Förderprogramms „Kompetenznetze in der Medizin“ im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss von sechs Rheumakliniken (Universitäten Berlin, Düsseldorf, Erlangen-Nürnberg, Freiburg, Hannover und Lübeck). Zur Verstärkung der Forschungsinitiativen in der DGRh wurde das Kompetenznetz 2005 als Arbeitsgemeinschaft in die DGRh integriert.

Kommissionen und Arbeitskreise

Wie schon in den 1990er-Jahren wurden auch in dieser Umbruchphase in Kommissionen und Arbeitskreisen unterschiedliche Themen aus den Bereichen Forschung, studentische Ausbildung, Fort- und Weiterbildung, Patientenschulung, Pharmakotherapie, bildgebende Verfahren, Rehabilitation und Sozialmedizin, Osteologie und Leitlinienentwicklung bearbeitet und diskutiert. Die seit 2007/2008 regelmäßig durchgeführten Workshops dienten der Vorstellung und Vertiefung einzelner Themen, die dann im Rahmen einer Vorstandssitzung zu Beschlüssen führten. Die Kommissionen verfassten in diesem Zusammenhang Stellungnahmen, Memoranden und Empfehlungen zu wichtigen Grundsatz- und Detailfragen in der Rheumatologie und zur Qualität rheumatologischer Versorgung.

Korporative Mitglieder

Der Arbeitskreis der korporativen Mitglieder in der DGRh wurde ebenfalls im Jahr 2004 mit einer eigenen Geschäftsordnung gegründet. Das Ziel dieser Gründung war es, ein Forum für die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen der DGRh und der pharmazeutischen sowie medizintechnischen Industrie zu schaffen und damit gemeinsame Projekte noch effektiver als bisher voranzubringen.

Rheumastiftung 

Im November 2008 schlossen sich die DGRh und die Deutsche Rheuma-Liga (DRL) in der Rheumastiftung zusammen. Die gemeinnützige Stiftung ist die erste in Deutschland, in der sich eine wissenschaftliche Fachgesellschaft und eine Patientenselbsthilfeorganisation zusammengetan haben. Ziele der Stiftung sind unter anderem die Förderung von Forschungsprojekten, die Förderung der notwendigen wissenschaftlichen Strukturen durch Stipendien und Stiftungsprofessuren sowie die Förderung der Selbsthilfe rheumakranker Menschen.

Nach dem Umbau

In den Jahren nach der Umstrukturierung bemühte sich die DGRh, die Rheumatologie in Politik und Öffentlichkeit entsprechend zu präsentieren. Auch die Weiterbildung sowie der Mangel an ausgebildeten Rheumatologen in der ambulanten, akutstationären und rehabilitativen Versorgung waren wichtige Themen, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben.

Unter dem Dach der Geschäftsstellearbeiten heute (Anm. der Redaktion: Juli 2017) die DGRh, die Rheumatologische Fortbildungsakademie, die Arbeitsgemeinschaft Kompetenznetz Rheuma (KNR) sowie die Arbeitsgemeinschaft der Regionalen Kooperativen Rheumazentren (AGRZ) eng zusammen. Die Geschäftsstelle engagiert sich darüber hinaus in der Öffentlichkeitsarbeit, gestaltet den Internetauftritt und übernimmt redaktionelle Aufgaben im Bereich des publizistischen Organs der DGRh, der Zeitschrift für Rheumatologie.

Die Rheumatologische Fortbildungsakademie wird aktuell von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), dem Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh), dem Verband Rheumatologischer Akutkliniken (VRA), der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) sowie der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband (DRL-Bund) getragen. Neben der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal organisiert die Rheumatologische Fortbildungsakademie schwerpunktmäßig Kongresse und Veranstaltungen.


Quellenangaben:

Torsten Hewelt, Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 1927-2007. Halle, 2009
Hewelt T (2011) Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie 1947-2007.
Z Rheumatol (70): 64-68
80 Jahre Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie 
Z Rheumatol (2004) 63: 346-365. DOI 10.1007/s00393-004-0651-y

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