Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V.(DGRh) ist mit mehr als 1.850 Mitgliedern die deutsche medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich der Rheumatologie. Sie fördert seit mehr als 95 Jahren rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und zum Nutzen der Allgemeinheit, ohne dabei wirtschaftliche Ziele zu verfolgen.
Aufgaben und Ziele
Zentrale Anliegen der Fachgesellschaft sind die Erforschung rheumatischer Erkrankungen sowie der fachliche Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen. Die DGRh fördert wissenschaftliche Konzepte der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzt:innen und Angehörigen medizinischer Assistenzberufe sowie der Schulung von Patient:innen. Sie sorgt auf diese Weise dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse in angewandte Heilkunde zu übertragen. Die Information ihrer Mitglieder, der Ärzteschaft und der Öffentlichkeit über die Entwicklungen in der Rheumatologie ist wesentlicher Auftrag der DGRh.
Struktur und Gremien
Aufgaben und Ziele der DGRh legt der Vorstand mit Unterstützung des wissenschaftlichen Beirats fest, Arbeitsgemeinschaften, Kommissionen und Arbeitskreise setzen diese um. Die Geschäftsstelle unterstützt und koordiniert deren Arbeit. In den Gremien der DGRh werden wissenschaftliche Konzepte erarbeitet sowie Leitlinien und Berichtwerke erstellt. Sie geben damit Impulse für die inhaltliche Ausrichtung der DGRh. Auf den jährlichen Tagungen werden wissenschaftliche Entwicklungen dargestellt und diskutiert. Die Förderung wissenschaftlicher Studien auf dem Gebiet der Rheumaforschung durch Preise und Stipendien sowie die Zusammenarbeit mit anderen Fachorganisationen sind weitere Maßnahmen, mit denen die DGRh ihre Forschungs- und Austauscharbeit verwirklicht.
Eine Besonderheit stellen die beiden Arbeitsgemeinschaften der DGRh dar. Ursprünglich eigenständige, von der Bundesregierung geförderte Verbünde, sind die Arbeitsgemeinschaft Regionaler Kooperativer Rheumazentren (AGRZ) seit 1996 und das Kompetenznetz Rheuma (KNR) seit 2004 unter dem Dach der DGRh angesiedelt. In der AGRZ sind die regionalen Verbünde von Kliniken, niedergelassenen Rheumatolog:innen und anderen an der Versorgung rheumakranker Menschen beteiligten Berufsgruppen organisiert. Das KNR vereint alle in der Rheumaforschung aktiven Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Institutionen und Fachrichtungen. Dieses Zusammenspiel von Forschung, Wissenschaft und Praxis unter dem Dach der DGRh sichert die nachhaltige Entwicklung in der Rheumatologie und den Transfer in die Patientenversorgung.
Kooperationen
Um die Weiterbildung der Ärzt:innen auch direkt zu unterstützen, gründete die DGRh gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) im Jahr 2004 die Rheumatologische Fortbildungsakademie. Zu deren Gesellschaftern gehören heute auch der Verband Rheumatologischer Akutkliniken (VRA), die Gesellschaft für Kinder.- und Jugendrheumatologie (GKJR), die Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und der Bundesverband der Deutschen Rheuma-Liga (DRL). Die Akademie setzt im Auftrag ihrer Gesellschafter die Konzepte der Weiter- und Fortbildung für Ärzt:innen und medizinische Assistenzberufe um. Im November 2008 unterzeichneten die DGRh und die Selbsthilfeorganisation Deutsche Rheuma-Liga die Gründungsurkunde für die Rheumastiftung. Mit der Stiftung setzen sich beide Organisationen für Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Rheumatologie und eine bessere Lebenssituation rheumakranker Menschen ein.
Mitglieder
Mitglieder der DGRh sind Ärzt:innen und andere, an der Rheumatologie interessierte Akademiker:innen wie Psychologen, Natur- und Sozialwissenschaftler. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Behandlung von Menschen mit Rheuma zu verbessern. Daneben können auch andere Personen, Verbände, Institutionen oder Organisationen korporative und fördernde Mitglieder werden, sofern sie die Zielsetzung der DGRh unterstützen. Als Angehörige eines DGRh-Gremiums sind die Mitglieder ehrenamtlich tätig.
Stand: 01/2026
Stand: 10/2025
Muskuloskelettale Erkrankungen sind die wichtigste Ursache von anhaltenden Schmerzuständen und Funktionseinschränkungen. Sie betreffen rund 25% der erwachsenen europäischen Bevölkerung. Etwa 17 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates1.
Hiervon haben etwa 1,8 Millionen Menschen eine entzündlich-rheumatische Erkrankung (ca. 2,6% der erwachsenen Bevölkerung). Die häufigsten Formen sind rheumatoide Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung) und Spondyloarthritiden (entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen). Diese umfassen neben der ankylosierenden Spondylitis (früher: Morbus Bechterew) auch undifferenzierte bzw. nicht röntgenologisch sichtbare Formen und die Psoriasis (Schuppenflechten)-Arthritis. Seltener sind Kollagenosen und Vaskulitiden.
Die geschätzte Anzahl Erwachsener von ausgewählten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen2:
Etwa 20.000 Kinder und Jugendliche haben eine chronische entzündlich-rheumatische Erkrankung. Die häufigste Form ist die juvenile idiopathische Arthritis mit ca. 14.000 Kindern und Jugendlichen (ca. 0,1% der Minderjährigen).
Weithaus häufiger sind degenerative und stoffwechselbedingte Erkrankungen sowie Schmerzsyndrome der Bewegungsorgane.1
Die geschätzte Anzahl Betroffener ausgewählter Erkrankungen:
Quellen:
[1] Zink A, Albrecht K. Wie häufig sind muskuloskeletale Erkrankungen in Deutschland? Zeitschrift für Rheumatologie 2016;75(4):346-53. https://doi.org/10.1007/s00393-016-0094-2
[2] Albrecht K, Binder S, Minden K et al. Systematisches Review zur Schätzung der Prävalenz entzündlich rheumatischer Erkrankungen in Deutschland. Zeitschrift für Rheumatologie 2023. https://doi.org/10.1007/s00393-022-01305-2, online ahead of print
Stand: 10/2025
Ca. 1,8 Millionen Erwachsene leben in Deutschland mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.1 Diese Bevölkerungsgruppe benötigt eine kontinuierliche Betreuung durch Fachärzt:innen (FÄ) für Rheumatologie.
Dem gegenüber sind derzeit 725 vertragsärztliche tätige FÄ für Rheumatologie in der ambulanten Versorgung tätig, dies entspricht etwa einer/m FA/FÄ für Rheumatologie pro 100.000 erwachsene Einwohner.2 Der Anteil variiert in den Bundesländern, von 0,8 pro 100.000 im Saarland bis 1,6 pro 100.000 erwachsene Einwohner in Brandenburg und Hamburg (Personen, nicht Vollzeitkräfte).
Nach einer Bedarfsermittlung der DGRh werden für die ambulante Versorgung mindestens zwei FÄ für Rheumatologie pro 100.000 erwachsene Einwohner für eine Minimalversorgung benötigt, dies entspräche 1.400 FÄ. Um die rheumatologische Versorgung verbessern, um Wartezeiten zu verkürzen und um unerwünschten Konsequenzen wie einer Berufsunfähigkeit vorzubeugen, ist eine mittelfristige, deutliche Steigerung auf 3 FÄ pro 100.000 erwachsene Einwohner notwendig. Damit fehlen aktuell mindestens 700 FÄ für Rheumatologie.4
Verschärft wird der Versorgungsengpass durch die steigende Anzahl angestellter FÄ in der vertragsärztlichen Versorgung, diese ist von 30% in 2020 auf 42% in 2024 gestiegen. Die Anzahl an FÄ für Rheumatologie mit einer Zulassung ist im gleichen Zeitraum von 392 (57%) auf 365 (50%) gesunken.2
Im stationären Bereich ist die Anzahl an FÄ für Rheumatologie in Krankenhäusern von 360 in 2018 auf 386 in 2023 gestiegen. Die Anzahl stationärer Vollkräfte im Jahresdurchschnitt ist im gleichen Zeitraum von 340 auf 312 gesunken. Die Teilzeitbeschäftigung stieg von 25% auf 39%.2
Für die ambulante und stationäre Versorgung waren Ende 2024 insgesamt etwa 1.160 FÄ für Rheumatologie tätig. Davon waren 386 (33%) 60 Jahre und älter. Die Anzahl berufstätiger FÄ unter 60 Jahre ist von 806 in 2020 auf 775 in 2024 gesunken.
Von 2020 bis 2024 wurden insgesamt 303 neue FÄ für Rheumatologie anerkannt. Dies entspricht einer Weiterbildungsquote von durchschnittlich 61 FÄ pro Jahr für den Zeitraum 2020-2024.
Quelle:
1 Albrecht K, Binder S, Minden K et al. Systematisches Review zur Schätzung der Prävalenz entzündlich rheumatischer Erkrankungen in Deutschland. Zeitschrift für Rheumatologie 2023. https://doi.org/10.1007/s00393-022-01305-2, online ahead of print
2 Albrecht K ,Strangfeld A, Callhoff J. Quo vadis rheumatologische Versorgung in Deutschland. Z Rheumatol 2025, online ahead of print 05 September 2025 https://doi.org/10.1007/s00393-025-01720-1
3 Zink A, Albrecht K. Wie häufig sind muskuloskeletale Erkrankungen in Deutschland? Zeitschrift für Rheumatologie 2016;75(4):346-53. https://doi.org/10.1007/s00393-016-0094-2
4 Braun J, Albrecht K, Callhoff J et al. (2024) Rheumatologische Versorgung in Deutschland : Memorandum der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie 2024. . Z Rheumatol 83 (Suppl 2):249–284. doi:10.1007/s00393-024-01539-2
Menschen mit einer entzündlich rheumatischen Erkrankung können heute in Deutschland bei rechtzeitiger Diagnosestellung, konsequenter Krankheitskontrolle und angemessener Rehabilitation zumeist ein Leben ohne wesentliche Einschränkungen der Lebensqualität und der sozialen Teilhabe erwarten. Um dies zu erreichen, benötigt das Gesundheitssystemeinen optimal abgestimmten Einsatz der verfügbaren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in der fachlich gebotenen Qualität entsprechend dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse (§ 135a SGB V). Dies soll in ausreichendem, zweckmäßigem und wirtschaftlichem Maß geschehen (§ 12 SGB V).
Zu einer Versorgung in der fachlich gebotenen Qualität gehören das frühzeitige Erkennen von Verdachtsfällen, die fachärztliche Untersuchung und Versorgung von Neuerkrankten innerhalb von 3 Monaten nach Symptombeginn sowie die kontinuierliche und konsequent zielorientierte Behandlung von Menschen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen in einem Versorgungsnetzwerk unter der Leitung eines Facharztes für innere Medizin und Rheumatologie.
Weitere Elemente einer qualitativ angemessenen Versorgung sind die Patientenschulung als Basis einer partizipativen Entscheidungsfindung und die fachspezifische stationäre Versorgung im Bedarfsfall. Diese Versorgung muss in Deutschland jedem Betroffenen zur Verfügung stehen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Wohnregion, Sozialstatus und ethnischer Zugehörigkeit.
Mit der hier vorgelegten Aktualisierung des Memorandums der Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) „Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland“ aus dem Jahr 2008 werden die derzeit in Deutschland bestehenden Voraussetzungen für eine den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechende Versorgung von Menschen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen untersucht und bewertet. In dem Memorandum von 2008 wurde ausführlich der Bedarf an interdisziplinärer rheumatologischer Versorgung von Erwachsenen in Deutschland ermittelt, dargestellt und diskutiert. Auch im Jahr 2024 besteht dieser Versorgungsbedarf im Grundsatz unverändert weiter.