Die Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens), auch kurz Teufelskralle oder Trampelklette genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Sesamgewächse (Pedaliaceae) [1].
Die Teufelskralle ist eine seit Jahrhunderten in der traditionellen afrikanischen Medizin verwendete Heilpflanze, die heute vor allem bei muskuloskelettalen Symptomen (z.B. durch Osteoarthrose) und bei Rückenschmerzen eingesetzt wird. Teufelskrallenknollen wurden 1962 aus Südafrika nach Deutschland importiert. Im Laufe der Jahre wurden aus den Wurzelknollen der Harpagophytum procumbens (Hp) verschiedene Kräutermischungen wie Pulver, Aufgüsse, Tinkturen, Extrakte etc. hergestellt [2].
Eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung der Teufelskralle wird hauptsächlich dem Iridoidglykosid Harpagosid zugeschrieben [3]. In in-vitro- und ex vivo-Studien verhinderte Harpagosid dosisabhängig die Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen durch Hemmung der TNFα- und IL-6-mRNA-Expression sowie die Produktion der Enzyme wie COX-2 und iNOS, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind [4,5]. Zudem hemmten alle Harpagosid Extrakte die Fettsäureamid-Hydrolase Aktivität und haben damit die Möglichkeit, das Endocannabinoid-System regulieren zu können [6]. Antioxidative Eigenschaften von Flavonoiden (Fisetin, Kämpferol, Luteolin) und Phenolen tragen zur Reduktion von oxidativem Stress bei [7]. Außerdem wurde gezeigt, dass Harpagosid die durch den Rezeptoraktivator des nukleären Faktors κB-Liganden (RANKL) induzierte Osteoklastenbildung in vitro hemmt und den entzündungsbedingten Knochenschwund unterdrücken kann[8].
Weitere Bestandteile der Teufelskralle sind Phenylethanolglykoside (Acteosid, Isoacteosid), Phytosterine (Beta-Sitosterol), Triterpene: Oleanolsäure sowie Chlorogensäure, Zimtsäure sowie ungesättigte Fettsäuren. Die genaue Bioverfügbarkeit und Stabilität der Wirkstoffe im menschlichen Körper ist nicht bekannt [3].
Aufgrund der möglichen entzündungshemmenden Wirkungen sind Präparate mit Teufelskralle zur Behandlung rheumatischer Erkrankung zu diskutieren.
In Deutschland sind etwa 115 Präparate mit Teufelskralle gelistet, allerdings sind zahlreiche als Nahrungsergänzungsmittel und als Nicht-Arzneimittel aufgeführt [9]. Als pflanzliche rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel werden aktuell mehrere Teufelskralle Präparate angeboten [10] wie z. B.:
Für einen Teil der Präparate existieren keine vorhandenen Produktfachinformationen/Beipackzettel. Darüber hinaus sind die genauen Indikationen zur Anwendung der Teufelskrallenpräparate nicht immer klar [9].
Im Beipackzettel der wenigen Anbieter steht, dass die Anwendung für Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates vorgesehen ist. Zum Beispiel sollten nach der Gebrauchsinformation von Teufelskralle-ratiopharm® Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren 2-mal täglich 1 Filmtablette „zur unterstützenden Therapie bei Verschleißerscheinungen (degenerativen Erkrankungen) des Be-wegungsapparates“ einnehmen [11].
Eine Pub-Med-Suche nach wissenschaftlichen Beiträgen zum Stichwort „devils claw“ lieferte (Stand 31. Juli 2025) 221 Literaturstellen, zum Stichwort „Harpagophytum procumbens“ 106 Literaturstellen. Davon sind 65 klinische Studien. Diese betreffen überwiegend nicht entzündlich-rheumatologische Indikationen wie neurologische Erkrankungen z.B. Alzheimer- oder Parkinsonerkrankung sowie degenerative Gelenk – und Wirbelsäulenveränderungen (als unspezifische Rückenschmerzen, Gonarthrose etc.)., hingegen sind zu entzündlich rheumatischen Erkrankungen keine klinischen Studien vorhanden.
Die Teufelskralle wird traditionell zur Behandlung von muskuloskelettalen Beschwerden wie Arthrose eingesetzt [12]. Folgende Daten zur Wirksamkeit der Teufelskralle liegen aus Studien zu Osteoarthrose vor: Ein narrativer Literatur-Review von 12 klinischen Studien (8 davon placebokontrolliert, 4 mit anderen Therapien im Vergleichsarm) konstatiert eine moderate Evidenz für die Wirksamkeit eines Pulvers mit 60 mg Harpagosid bei der Behandlung von degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule sowie des Hüft- und des Kniegelenks. Eine moderate Evidenz fand sich ebenso bei der Verwendung eines wässrigen Extrakts mit einer Tagesdosis von 100 mg Harpagosid bei der Behandlung akuter Exazerbationen chronischer unspezifischer Rückenschmerzen. Ein Unterschied in der Wirksamkeit eines wässrigen Extrakts aus mit 60 mg Harpagosid zu 12,5 mg Rofecoxib pro Tag konnte bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen nicht nachgewiesen werden [13].
In einer weiteren Übersichtsarbeit zum Einsatz von Teufelskralle bei Arthrose berücksichtigte 14 Studien von 1966 bis 2006, acht Beobachtungsstudien, zwei Vergleichsstudien (eine offen, die andere randomisiert); und vier doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Studien. Die veröffentlichten Studien zeigten vielfach eine unzureichende methodische Qualität. Die qualitativ hochwertigeren Studien deuteten jedoch darauf hin, dass der Einsatz der Teufelskralle bei der Linderung von Schmerzen wirksam sein könnte [14].
In einer Studie wurde die Wirksamkeit von der Teufelskralle (2 x 480 mg) über einen Monat im Vergleich zu Meloxicam (15 mg) über zehn Tage bei 60 Patienten mit Gonarthrose untersucht. Die visuelle Analogskala (VAS), die Oxford Knee Scale (OKS) und der Osteoarthritis Index der Western Ontario McMaster University (WOMAC) verbesserten sich in beiden Gruppen (p < 0,001), es zeigte sich jedoch kein Unterschied der fortgesetzten Therapie mit Teufelskralle nach 2- und 4 Wochen, einem Zeitpunkt wo Meloxicam bereits 4 bzw. 18 Tage beendet war [15].
Eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Parallelgruppenstudie über vier Monate wurde an 122 Patienten mit Hüft- und/oder Kniearthrose durchgeführt. Dabei wurde Harpagophytum 2.610 mg pro Tag mit Diacer(h)ein 100 mg pro Tag verglichen. Nach vier Monaten zeigten sich in beiden Gruppen deutliche und zwischen den Gruppen vergleichbare Verbesserungen der Schmerzen, von funktionellen Behinderung und des Lequesne-Score und eine Reduktion des Schmerzmittelgebrauchs [16].
In einer randomisierten Doppelblindstudie an 197 Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen (VAS > 5) wurden über einen Zeitraum von 4 Wochen wurden zwei tägliche Dosen des oralen Hp-Extrakts WS 1531 (mit 50 bzw. 100 mg des Harpagosid) und Placebo verglichen. Die Anzahl der schmerzfreien Patienten betrug bei Placebo 5%, sowie 10% und 16% in der niedrigen bzw. hohen Verumgruppe [17].
Eine Cochrane Analyse zur Wirksamkeit von Phytotherapeutika bei unspezifischen Rückenschmerzen zitierte neben der vorherigen Studie [17] 2 weitere , davon eine gegen Placebo mit weiteren 118 eingeschlossenen PatientInnen: Hp-Präparate, standardisiert auf 50 mg oder 100 mg Harpagosid, waren für die kurzfristige Schmerzlinderung bei OA wirksamer als Placebo (Evidenz von geringer Qualität) [18]. Die dritte Studie aus der Cochrane-Analyse mit lediglich 88 Teilnehmern zeigte eine relative Äquivalenz der Teufelskralle zu 12,5 mg Rofecoxib (Vioxx®) pro Tag, war jedoch von sehr geringer Qualität [18].
Eine weitere randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Wirkung der Teufelskralle bei 63 Patienten mit Muskelschmerzen im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich. Die Verumgruppe erhielt über 4 Wochen 2x480 mg/Tag Hp-Extrakt LI 174 (Rivoltan®). Nach vierwöchiger Behandlung zeigte sich eine deutliche klinische Wirksamkeit des Verums im klinischen Gesamtscore sowie in den Patienten- und Arztbewertungen. Signifikante Effekte zeigten sich in der VAS, dem Druckalgometertest und dem Muskelsteifigkeitstest. Bei der Aufzeichnung antinozizeptiver Muskelreflexe und der EMG-Oberflächenaktivität war allerdings kein Unterschied zu Placebo erkennbar [19].
Die Teufelskralle wird vor allem zur Behandlung von (unspezifischen und degenerativ bedingten) muskuloskelettalen Schmerzen eingesetzt. Klinische Daten zu Behandlung mit Teufelskralle-Präparaten bei den Patienten mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen sind aktuell nicht vorhanden.
Die Effekte von Bestandteilen aus Harpagophytum auf Entzündungsmediatoren in vitro und in vivo schließen ein therapeutisches Potenzial nicht aus. Systematische kontrollierte klinische Studien der Harpagophytum als Monotherapie an Fallkollektiven mit klar definierten entzündlich-rheumatischen Krankheitsbildern sind jedoch nicht vorhanden. Die Anwendung der Teufelskralle zur Therapie von entzündlich- rheumatischen Erkrankungen kann daher derzeit nicht empfohlen werden.
Die Anwendung von Präparaten aus Teufelskralle wird im Allgemeinen als gut verträglich beschrieben, es gibt aber dokumentierte Nebenwirkungen und Einschränkungen, die bei der Anwendung berücksichtigt werden sollten [20].
Eine systematische Literaturrecherche zur Sicherheit von Hp-Präparaten durchsuchte die Datenbanken OVID (MEDLINE), PUBMED und Cochrane Collboration Library bis ins Jahr 1985 zurück nach Studien mit Harpagophytum procumbens [21]. Es wurden 28 klinische Studien identifiziert, von denen 20 Nebenwirkungen berichteten. In keiner der Doppelblindstudien war die Häufigkeit von Nebenwirkungen während der Behandlung mit der Teufelskralle höher als unter Placebo. Leichte Nebenwirkungen traten bei etwa 3 % der Patienten auf, hauptsächlich gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen. Es gab einige Berichte über akute Toxizität, jedoch keine Berichte über chronische Toxizität [21]. Nach den vorliegenden Daten scheint die Teufelskralle ein geringes Nebenwirkungsrisiko als NSAR zu haben, jedoch sind weitere Langzeitstudien und größere Fallzahlen für eine abschließende Beurteilung erforderlich [14].
Dem Beipackzettel für Teufelskralle-ratiopharm® ist zu entnehmen, dass Magen-Darm-Beschwerden sowie Schwindel und Kopfschmerzen auftreten können. Auch sind Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautausschläge, Nesselsucht, Gesichtsödeme bis hin zum anaphylaktischen Schock) beschrieben worden. Bei insulinpflichtigem Diabetes mellitus wurde ein Blutzuckeranstieg beobachtet, der nach Absetzen wieder zurückging. Zur Anwendung dieses Arzneimittels in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor. Die Patientinnen sollten deshalb in Schwangerschaft und Stillzeit Hp-Präparate nicht einnehmen [11].
Insgesamt gibt es Einschränkungen in der wissenschaftlichen Evidenz. Die verfügbaren Studien haben in der Regel kleine Stichprobengrößen; es fehlen Daten zur Sicherheit bei langfristiger Anwendung, insbesondere bei höheren Dosierungen. Ein Problem ist die Standardisierung der Präparate: Die Konzentration des Wirkstoffs Harpagosid variiert zwischen den Produkten, was die Vergleichbarkeit der Studien erschwert.
Die wissenschaftliche Evidenz reicht nicht aus, um die Verschreibung und Anwendung von Teufelskrallen-Präparaten für Patienten mit Symptomen aufgrund eines definierten entzündlich-rheumatischen Krankheitsbildes zu empfehlen. Bei ausdrücklichem Therapiewunsch von Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen muss von der Anwendung von Teufelskralle-Präparaten nicht abgeraten werden.
Stand: 11.03.2026