Pressemitteilung | 04. September 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026 vom 09. bis 12. September im Congress Center Leipzig
Adipositas betrifft in Deutschland etwa 19,7 Prozent der Erwachsenen. Die Fettleibigkeit belastet nicht nur die Gelenke, sondern verändert auch das Immunsystem der Betroffenen. Leipziger Forschende fanden im Blut von Menschen mit Adipositas dieselben entzündungsfördernden Immunzellen vermehrt wie bei Rheumakranken. Nach einer Magenband-Operation und starkem Gewichtsverlust bildeten sich die Veränderungen weitgehend zurück. Die Ergebnisse zeigen einen immunologischen Zusammenhang zwischen Adipositas und rheumatoider Arthritis (RA) – und werfen neue Fragen für die Behandlung auf. Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh und Leiter des Bereichs Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig, stellte die Erkenntnisse auf der Online-Vorab-Pressekonferenz am 2. September anlässlich des Deutschen Rheumatologiekongresses 2026 vor.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen sogenannte intermediäre Monozyten, eine besonders entzündungsaktive Untergruppe weißer Blutkörperchen. Bei rheumatoider Arthritis kommen diese Zellen vermehrt vor. Sie fördern die Bildung von Th17-Zellen, die für Gelenkentzündung und Knochenabbau zentral sind. Untersuchungen an insgesamt 100 fettleibigen oder normalgewichtigen Menschen zeigten: Auch bei Adipositas verschiebt sich die Zusammensetzung der Monozyten zugunsten dieser Untergruppe von Zellen. Die Veränderung hing unter anderem mit Body-Mass-Index, Körperfettanteil, Bauchumfang, Blutfetten und Langzeitblutzucker zusammen.
Dass sich bei Adipositas und rheumatoider Arthritis dieselbe entzündungsfreudige Zellpopulation vermehrt, weist auf eine mögliche gemeinsame Stellschraube hin.

Gewichtsverlust verändert auch die Immunzellen
Um dies zu untersuchen, begleiteten die Leipziger Forschenden über zwölf Monate 111 Patientinnen und Patienten nach einer bariatrischen Operation, bei der diesen der Magen verkleinert worden war. Bei einem mittleren Gewichtsverlust von rund 45 Kilogramm bildete sich die erhöhte Zahl der Monozyten zurück. Auch der Entzündungsmarker CD16 nahm ab; parallel sanken die Entzündungswerte, der Langzeitblutzucker und die Blutfette. „Die entzündliche Prägung des Immunsystems bei Adipositas ist kein irreversibler Schaden. Sie lässt sich zurückdrehen“, sagt Wagner. Wie viel Gewichtsverlust dafür notwendig ist, ist noch unbekannt: In einer niederländischen Vergleichsstudie führte eine geringere Gewichtsabnahme durch ein Lebensstilprogramm nicht zu einer Normalisierung der Monozyten. Welche Auswirkungen neue Abnehm-Medikamente auf diese Immunprozesse haben könnten, ist laut Wagner eine noch ungeklärte Frage.
Entzündung als neues Behandlungsziel?
Die Leipziger Forschenden gehen nun der Frage nach, ob eine entzündungshemmende Therapie bei Adipositas auch den Stoffwechsel verbessert. Geplant ist eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 200 Menschen mit Adipositas und Insulinresistenz – mit und ohne rheumatoide Arthritis. Dabei soll geprüft werden, ob eine Behandlung mit dem Entzündungshemmer Colchicin beziehungsweise eine Interleukin-1-Blockade die Insulinempfindlichkeit verbessert. „Sollte sich die Hypothese bestätigen, wäre die bei Adipositas auftretende chronische Entzündungsreaktion nicht allein eine Begleiterscheinung, sondern ein eigenständiges Behandlungsziel. Dann könnte die Rheumatologie mit ihren entzündungshemmenden Therapien möglicherweise auch zur Behandlung von Stoffwechselstörungen beitragen“, so Wagner.
- Bei Abdruck Beleg erbeten. -
Datum: Donnerstag, 10. September 2026
Uhrzeit: 12:00 bis 13:00 Uhr
Raum: Congress Center Leipzig, Vortragsraum 9 (Ebene +2)
Hier gelangen Sie zur Anmeldung für die Onlineteilnahme.
Vorläufige Themen und Referierende
Wenn Entzündung chronisch wird: neue Erkenntnisse zur Entstehung von Rheuma
Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh, Leiter des Bereichs Rheumatologie der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig
Kombination von Biologika bei schwerem Kinderrheuma: wenn ein gezielter Wirkstoff nicht ausreicht
Professor Dr. med. Christian Klemann, Kongresspräsident der GKJR, Leiter der Klinik für
Kinder und Jugendmedizin am Klinikum Lippe sowie Leiter der
Pädiatrischen Immunologie, Kinderrheumatologie und Infektiologie am Universitätsklinikum Leipzig
Von der Immunsuppression zum Immun-Reset: neue Entwicklungen bei zellbasierten Therapien
Professor Dr. med. Ina Kötter, 1. Vizepräsidentin der DGRh, Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologie und Hämatologie/Onkologie; Direktorin der Klinik für Rheumatologie und Immunologie an der Auenlandklinik Bad Bramstedt und Leiterin der Sektion Rheumatologie und Entzündliche Systemerkrankungen (in der Abteilung III. Medizin) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Rheumatische Erkrankungen im höheren Lebensalter: Herausforderungen und Besonderheiten für Diagnostik, Therapie und Versorgung
Professor Dr. med. Jan Leipe, Leiter der Sektion Rheumatologie und des Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel
Ein weiteres Thema aus der orthopädischen Rheumatologie wird in Kürze bekanntgegeben.
Samstag, 12. September 2026, 10:00 – 11:30 Uhr im Raum Mehrzweckfläche 3, Ebene 0
Anmeldung: bis 1. September unter info@rheumaakademie.de
Weitere Programmhighlights zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Alter:
Immunalterung – Impulse aus der experimentellen Forschung (Mittwoch, 9. Sept., 16:30 - 17:45 Uhr, Saal 1)
Alter schützt vor Bewegung nicht – Rheuma auch nicht (Donnerstag, 10. Sept., 10:30 - 12:00 Uhr, Mehrzweckfläche 1)
Chancengleichheit in der Versorgung (Donnerstag, 10. Sept., 10:30 - 12:00 Uhr, Mehrzweckfläche 4)
Herausforderungen und Besonderheiten rheumatischer Erkrankungen im höheren Lebensalter (Freitag, 11. Sept., 14:30 - 16:00 Uhr, Saal 1)
Best Care for Best Agers (Freitag, 11. Sept., 16:30 - 18:00 Uhr, Mehrzweckfläche 3)
Stephanie Priester
Pressestelle DGRh
Thieme Kommunikation
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
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Katrin Hammer
Pressestelle DGRh
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Anna Julia Voormann
Generalsekretärin
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V.
Geschäftsstelle der DGRh
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, Aufgang C
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