Pressemitteilung | 24. März 2026
Die Entzündungsmedizin steht vor einem grundlegenden Wandel: Statt allein auf das betroffene Organ zu schauen, setzen moderne Therapiekonzepte auf stärker personalisierte Behandlungen, die die zugrunde liegenden Entzündungs- und Immunprozesse im Körper berücksichtigen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, haben die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) sowie die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) eine gemeinsame Initiative zur Zertifizierung interdisziplinärer Entzündungszentren gestartet. In einer gemeinsamen Kommission entwickeln die Fachgesellschaften den Rahmen für eine nationale Struktur zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen.
Chronisch-entzündliche Erkrankungen betreffen in Deutschland Millionen Menschen. Allein an Psoriasis, Spondylarthritiden und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden zusammen rund 3,5 Millionen Patientinnen und Patienten. Die direkten Krankheitskosten belaufen sich auf mindestens 19 Milliarden Euro jährlich. Hinzu kommen die indirekten Kosten von Begleiterkrankungen und Arbeitsausfällen.
„Die Entzündungsmedizin entwickelt sich rasant weiter – gleichzeitig steigt die Komplexität der Therapieentscheidungen“, sagt Professor Dr. Nisar Peter Malek, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gastroenterologie, Gastrointestinale Onkologie, Hepatologie, Infektiologie und Geriatrie an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Tübingen und Sprecher der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren für die DGVS. “Um für jede Patientin bzw. jeden Patienten die passende Therapie auszuwählen und langfristig gute Behandlungsergebnisse zu erzielen, braucht es klare Qualitätsstandards und strukturierte interdisziplinäre Entscheidungsprozesse.”
Bereits heute existieren erste interdisziplinäre Zentren für Entzündungsmedizin, die sich in der klinischen Versorgung bewährt haben.

Interdisziplinäre Zentren als Modell für die Zukunft
Mit der neuen Initiative zielen die Fachgesellschaften darauf ab, vorhandene Ansätze in eine bundesweit einheitliche Struktur zertifizierter Zentren zu überführen. Vorbild ist dabei die Onkologie: Dort haben strukturierte interdisziplinäre Tumorboards und zertifizierte Zentren maßgeblich zur Qualitätsverbesserung in der Versorgung beigetragen. „Chronisch-entzündliche Erkrankungen betreffen häufig mehrere Organsysteme gleichzeitig“, erklärt Professor Lorenz. „Eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen ermöglicht es, komplexe Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Therapieentscheidungen gemeinsam zu treffen.“
Gemeinsame Qualitätsstandards als Grundlage
Mit der konstituierenden Sitzung am 4. März 2026 wurde ein erster wichtiger Schritt gemacht. Zunächst definiert die Kommission für die drei beteiligten Disziplinen Dermatologie, Gastroenterologie und Rheumatologie gemeinsame Qualitätskriterien. „Ziel ist es, ein abgestuftes System zertifizierter Zentren zu etablieren, das die unterschiedlichen Versorgungsbedarfe der Entzündungsmedizin abbildet“, sagt Professor Dr. med. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Hautklinik der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Sprecher der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren für die DDG. „Damit schaffen wir eine strukturierte Grundlage für interdisziplinäre Diagnostik, Therapieentscheidungen und langfristige Betreuung.“
Nationale Datengrundlage für bessere Therapien
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Initiative ist die systematische Wissensgenerierung. Durch strukturierte Dokumentation und harmonisierte Datensätze soll künftig ein gemeinsames nationales Register für die Entzündungsmedizin entstehen. Dieses soll helfen, langfristige Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Erkenntnisse für die individuelle Therapieentscheidung zu gewinnen. Die beteiligten Fachgesellschaften sehen in der Initiative einen wichtigen Schritt, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen langfristig zu verbessern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Entzündungsmedizin nachhaltig zu stärken.
- Bei Abdruck Beleg erbeten. -
Stephanie Priester
Pressestelle DGRh
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Anna Julia Voormann
Generalsekretärin
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V.
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