Pressemitteilung | 02. September 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026 vom 09. bis 12. September im Congress Center Leipzig
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können Frauen in einer Lebensphase treffen, in der Familienplanung und Elternschaft eine wichtige Rolle spielen. Eine sichere Schwangerschaft ist heute jedoch in den meisten Fällen möglich – dank intensiver Forschung, die in den letzten Jahren zu neuen Möglichkeiten der Behandlung und der medizinischen Überwachung geführt hat. Was es bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Kinderwunsch zu beachten gilt, welche Risiken bestehen und wie sie minimiert werden können, war ein Thema der Vorab-Online-Pressekonferenz am 2. September anlässlich des Deutschen Rheumatologiekongresses 2026, der vom 9. bis 12. September in Leipzig stattfindet.
Viele Schwangere möchten zum Schutz ihres Kindes möglichst wenige Medikamente einnehmen – bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann ein Absetzen der Therapie jedoch riskant sein.
Eine aktive rheumatische Erkrankung kann die Schwangere und ihr ungeborenes Kind genauso gefährden wie ein Medikament, das für die jeweilige Schwangerschaftsphase nicht geeignet ist.

Entscheidend sei deshalb, individuelle Risiken frühzeitig zu erkennen und Therapie und Überwachung darauf abzustimmen.
Hochrisiko-Schwangerschaften: Neue Studie macht vorsichtig Hoffnung
Wie eine solche risikoadaptierte Behandlung aussehen könnte, zeigen neue Daten zum Antiphospholipid-Syndrom (APS), bei dem bestimmte Autoantikörper das Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie weitere Schwangerschaftskomplikationen erhöhen. Die Standardbehandlung des geburtshilflichen APS besteht aus niedrig dosierter Acetylsalicylsäure und Heparin. Bei besonders gefährdeten Schwangeren mit dauerhaft nachweisbarem Lupus-Antikoagulans kommt es jedoch trotz dieser Behandlung in Studien bei 40 bis 64 Prozent zu einem ungünstigen Schwangerschaftsausgang. In der IMPACT- Studie erhielten 51 Schwangere mit Hochrisiko-APS und schweren Komplikationen in der Vorgeschichte zusätzlich zur Standardtherapie Certolizumab pegol. Schwere APS-bedingte
Schwangerschaftskomplikationen traten bei 20 Prozent auf, 93
Prozent der Neugeborenen überlebten bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus. Aufgrund der geringen Studiengröße und des Fehlens einer randomisierten Kontrollgruppe seien die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren, betont Haase. Certolizumab ist zudem nicht zur Behandlung des geburtshilflichen APS zugelassen. „Dennoch zeigt die Studie eine konkrete zusätzliche Therapieperspektive für einzelne Hochrisikopatientinnen auf, bei denen die Standardbehandlung nicht ausreicht.“
Risiken früher erkennen und engmaschiger überwachen
Nicht nur bei der Behandlung von Schwangerschaftskomplikationen, sondern auch bei ihrer Früherkennung gibt es neue Ansätze. Bei Schwangeren mit Anti-SSA/Ro-Antikörpern entwickelt das ungeborene Kind in etwa ein bis zwei Prozent der Fälle einen angeborenen AV-Block, eine Störung der elektrischen Reizleitung im Herzen. Ein höhergradiger AV-Block kann innerhalb weniger Stunden entstehen und damit zwischen zwei Ultraschallterminen unentdeckt bleiben. Die laufende STOP-BLOQ-Studie untersucht deshalb ein häusliches Monitoring: Schwangere mit hohen Antikörperwerten kontrollieren dreimal täglich den Herzrhythmus ihres Kindes. In der bisherigen Auswertung von 413 Schwangerschaften trat ein AV-Block ausschließlich bei hohen Antikörperwerten auf und wurde zuverlässig durch das Selbstmonitoring erkannt. Ob durch die frühere Erkennung auch ein dauerhafter vollständiger Herzblock verhindert werden kann, ist noch offen.
Sichere Therapie braucht verlässliche Informationen
Neben neuen Behandlungs- und Überwachungsansätzen von Schwangerschaftskomplikationen bleibt die Kontrolle der rheumatischen Grunderkrankung entscheidend. Die aktualisierten EULAR-Empfehlungen zeigen, dass zahlreiche antirheumatische Therapien auch während Zeugung, Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden können. Fachinformationen und Beipackzettel bleiben jedoch häufig zurückhaltender oder widersprechen den wissenschaftlichen Empfehlungen.
In der internationalen PRAISE-Umfrage unter 414 Angehörigen von Gesundheitsberufen berichteten 58 Prozent, dass solche Widersprüche zu Unsicherheit oder Spannungen im ärztlichen Beratungsgespräch führen; fast 20 Prozent würden deshalb eine laufende Behandlung wahrscheinlich absetzen. „Nun gilt es, Fachinformationen und Beipackzettel schneller an die wissenschaftlichen Leitlinien anzupassen“, betont Haase abschließend.
- Bei Abdruck Beleg erbeten. -
Mittwoch, 2. September 2026
11.00 bis 12.00 Uhr
Themen und Referierende
Adipositas, Immunzellen und Rheuma: neue Erkenntnisse aus der Stoffwechselforschung
Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh, Leiter des Bereichs Rheumatologie der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig
Rheumatherapie und Schwangerschaft: was für eine sichere Versorgung notwendig ist
Dr. med. Isabell Haase, Oberärztin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie
Autoimmunerkrankungen verhindern, bevor sie entstehen: neue Erkenntnisse zur Prävention am Beispiel der rheumatoiden Arthritis
Professor Dr. med. Jürgen Rech, Oberarzt für Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen
Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten: Was empfiehlt die neue DGRh-Leitlinie?
Professor Dr. med. Torsten Witte, Direktor der Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Medizinische Hochschule Hannover
Rheuma wartet nicht – warum der frühe Zugang zur internistischen Rheumatologie entscheidend ist
Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh und
Corinna Elling-Audersch, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, Bonn
Datum: Donnerstag, 10. September 2026
Uhrzeit: 12:00 bis 13:00 Uhr
Raum: Congress Center Leipzig, Vortragsraum 9 (Ebene +2)
Hier gelangen Sie zur Anmeldung für die Onlineteilnahme.
Vorläufige Themen und Referierende
Wenn Entzündung chronisch wird: neue Erkenntnisse zur Entstehung von Rheuma
Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh, Leiter des Bereichs Rheumatologie der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig
Kombination von Biologika bei schwerem Kinderrheuma: wenn ein gezielter Wirkstoff nicht ausreicht
Professor Dr. med. Christian Klemann, Kongresspräsident der GKJR, Leiter der Klinik für
Kinder und Jugendmedizin am Klinikum Lippe sowie Leiter der
Pädiatrischen Immunologie, Kinderrheumatologie und Infektiologie am Universitätsklinikum Leipzig
Von der Immunsuppression zum Immun-Reset: neue Entwicklungen bei zellbasierten Therapien
Professor Dr. med. Ina Kötter, 1. Vizepräsidentin der DGRh, Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologie und Hämatologie/Onkologie; Direktorin der Klinik für Rheumatologie und Immunologie an der Auenlandklinik Bad Bramstedt und Leiterin der Sektion Rheumatologie und Entzündliche Systemerkrankungen (in der Abteilung III. Medizin) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Rheumatische Erkrankungen im höheren Lebensalter: Herausforderungen und Besonderheiten für Diagnostik, Therapie und Versorgung
Professor Dr. med. Jan Leipe, Leiter der Sektion Rheumatologie und des Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel
Ein weiteres Thema aus der orthopädischen Rheumatologie wird in Kürze bekanntgegeben.
Samstag, 12. September 2026, 10:00 – 11:30 Uhr im Raum Mehrzweckfläche 3, Ebene 0
Anmeldung: bis 1. September unter info@rheumaakademie.de
Weitere Programmhighlights zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Alter:
Immunalterung – Impulse aus der experimentellen Forschung (Mittwoch, 9. Sept., 16:30 - 17:45 Uhr, Saal 1)
Alter schützt vor Bewegung nicht – Rheuma auch nicht (Donnerstag, 10. Sept., 10:30 - 12:00 Uhr, Mehrzweckfläche 1)
Chancengleichheit in der Versorgung (Donnerstag, 10. Sept., 10:30 - 12:00 Uhr, Mehrzweckfläche 4)
Herausforderungen und Besonderheiten rheumatischer Erkrankungen im höheren Lebensalter (Freitag, 11. Sept., 14:30 - 16:00 Uhr, Saal 1)
Best Care for Best Agers (Freitag, 11. Sept., 16:30 - 18:00 Uhr, Mehrzweckfläche 3)
Stephanie Priester
Pressestelle DGRh
Thieme Kommunikation
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
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Katrin Hammer
Pressestelle DGRh
Thieme Kommunikation
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Anna Julia Voormann
Generalsekretärin
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V.
Geschäftsstelle der DGRh
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, Aufgang C
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+49 30 240 484 79