Die Echte Arnika (Arnica montana) [1], bekannt als Arnika oder Bergwohlverleih, ist eine Pflanze aus der Gattung Arnika innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie gedeiht in den Gebirgen Europas und steht unter Naturschutz. Die Echte Arnika wurde zur Blume des Jahres 1986 und zur Arzneipflanze des Jahres 2001 gewählt. Sie gilt als Giftpflanze [2]. Arnikablüten enthalten als Hauptwirkstoffe Sesquiterpenlactone in veresterter Form, insbesondere Helenalin- und Dihydrohelenalin-Ester. Pflanzen in mitteleuropäischen Gebieten enthalten mehr Helenaline, im spanischen Raum dominieren Dihydrohelenaline. Daneben enthalten die gelben Blütenkörbe der Arnika Flavone, Flavonole und ätherisches Öl, u.a. mit Thymol, Thymolmethylether und Azulen. Darüber hinaus wurden in Arnikablüten Triterpene, Phenolcarbonsäuren, Polysaccharide und die Terpenoide 2,5-Dimethoxy-p-cymol, Arnicolide A, B, C und D sowie Arnifolin identifiziert [1].
Die entzündungshemmende Wirkung von Arnika wird hauptsächlich dem Sesquiterpenlacton Helenalin zugeschrieben [3]. Helenalin und seine Derivate hemmen in vitro die NF-kappaB- und Telomeraseaktivität und beeinträchtigen die Protein- und DNA-Synthese. Helenalin induziert in vitro in aktivierten CD4+-T-Zellen Apoptose, indem es den mitochondrialen Apoptoseweg auslöst. Außerdem unterdrückt Helenalin die nukleäre Translokation von NFATc2 in aktivierten CD4+ T-Zellen [4].
Daten aus Studien mit Arnica-Urtinktur und 1C-, 3C-, 5C- und 9C-Verdünnungen zeigten in verschiedenen menschlichen und murinen Zellkulturmodellen eine hemmende Wirkung auf TNFα, IL-6, COX-2, MCP-1 und ICAM-1 sowie reaktive Sauerstoffspezies [5]. Arnica stimulierte in vitro die Expression von drei Genen, die regulatorische Proteine der extrazellulären Matrix kodieren, nämlich Fibronektin 1, Low-Density-Lipoprotein-Rezeptor-verwandtes Protein 1 und Heparansulfat-Proteoglykan 2 und kann damit möglicherweise auf die in vitro Zelladhäsion und -migration während der Gewebeentwicklung und -heilung einwirken [6].
In einem Rattenmodell für Kollagen induzierte Arthritis reduzierte die orale Verabreichung von Arnica-Blütenmethanolextrakt klinische Symptome und verbesserte die Gelenkfunktion der hinteren Gliedmaßen. Behandelte Ratten wiesen im Vergleich zu unbehandelten Tieren geringere Expressionsgrade von Stickstoffmonoxid, TNF-α, IL-1β, IL-6 und IL-12 und einen niedrigeren Titer an Anti-Typ-II-Kollagen-Antikörpern auf [7].
In Deutschland sind etwa 200 Zubereitungen mit Arnika gelistet, darunter zahlreiche homöopathische Präparate [9].
Als pflanzliche rezeptfreie Arzneimittel werden mehrere Arnika-Präparate angeboten [8] wie z. B.:
Eine Pub-Med-Suche nach wissenschaftlichen Beiträgen zum Stichwort „Arnica montana“ lieferte (Stand 31. Juli 2025) 420 Literaturstellen, zum Stichwort „Helenalin“ 185. Davon sind 62 klinische Studien. Diese betreffen überwiegend nicht entzündlich-rheumatologische Indikationen wie postoperative Schmerzen, Ödem, Wundheilung nach orthopädischen, zahnärztlichen, plastisch-chirurgischen Angriffen (z.B. Facelifting-Operationen) sowie degenerative Gelenkveränderungen.
Eine Metaanalyse von 28 Studien untersuchte die Wirkung von Arnika vor oder nach Operationen, um die Wundheilung zu verbessern, Blutungen und Schwellungen zu stoppen und Schmerzen zu lindern. Alle Vergleiche mit Placebo (18 placebo-kontrollierte Studien) ergaben eine unbedeutende (<0,2) und nicht signifikante Effektstärke (p = 0,059). Studien mit aktiven Vergleichspräparaten (NSAR, Paracetamol) ergaben eine stark heterogene, statistisch signifikante, aber im Ausmaß geringe Effektstärke von g = 0,26. [10].
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 53 Probanden wurde die Wirkung von Arnica Creme auf subjektive Beinschmerzen nach einem standardisierten Protokoll des Wadenhebens im Rahmen eines Trainings untersucht. Jeder Teilnehmer erhielt zwei Tuben Creme, eine mit aktiver Arnika (Bein rechts) und eine mit Placebo (Bein links). Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in den Schmerzwerten vor dem Training (Arnika: 0,07 vs. Placebo: 0,09, p = 0,32). Anstatt die Beinschmerzen zu lindern, verstärkte Arnika 24 Stunden nach exzentrischen Wadenübungen die Beinschmerzen. Dieser Effekt blieb bei der Messung nach 48 Stunden bestehen [11].
Eine offene, multizentrische unkontrollierte klinische Studie untersuchte die Anwendung eines Arnica Gels bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Kniearthrose. Nach sechs Wochen zeigte sich eine signifikante Verbesserung in den WOMAC-Scores hinsichtlich Schmerzes, Steifigkeit und Funktion. Die Behandlung wurde gut vertragen, mit einer niedrigen Rate an lokalen Nebenwirkungen [12].
Eine randomisierte Doppelblindstudie bei PatientInnen mit Fingerpolyarthrose hat nach 21 Tagen keinen Unterschied in der Wirkung auf Schmerz und Funktionseinschränkung von Ibuprofen (5 % Gel) oder Arnika (50 g Tinktur/100 g Gel, Drug-to-extrakt ratio 1:20) bei 174 Patienten gezeigt [13].
Arnica montana wird vor allem zur Behandlung postoperativer Schmerzen und degenerativer Gelenkerkrankungen wie Arthrose eingesetzt [10, 14]. Klinische Daten zu Behandlung mit Arnica bei den Patienten mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen sind aktuell nicht vorhanden.
Die orale Einnahme von pflanzlichen Arnika-Produkten sollte aufgrund von toxischen Inhaltsstoffe vermieden werden [15]. Die in homöopathischen und kommerziell hergestellten Produkten verwendeten Arzneimittelformulierungen enthalten z.T. stark verdünnte pflanzliche Auszüge. Die Dosierung ist jedoch nicht für alle Produkte standardisiert, was zu unterschiedlichen Konzentrationen der Inhaltsstoffe zwischen verschiedenen Herstellern führt. Darüber hinaus kann der Wirkstoffgehalt der Pflanzen in Abhängigkeit von der geographischen Herkunft beträchtlich schwanken [16]. Dies illustriert, dass mit höheren Dosen Sicherheitsrisiken verbunden sein können [15].
Präklinische Studien zeigten, dass die orale Letal Dose 50 (LD50) bei Mäusen 512,5 mg/kg Körpergewicht betrug. Eine andere Studie zeigte, dass die LD50 für Arnika bei Ratten 54,7 mg/kg Körpergewicht betrug [17].
In klinischen Studien wurden häufig dermatologische Nebenwirkungen bei der topischen Arnica Anwendung berichtet. Eine Kontaktdermatitis kann sich entwickeln, die zu Hautausschlag, Juckreiz und trockener Haut führt [18]. Außerdem berichteten Patienten unter oralen Produkten von Arnica über gastrointestinale Nebenwirkungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Lethargie [19]. Die Anwendung von Arnika während der Behandlung mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern wurde aufgrund eines erhöhten Blutungsrisikos nicht empfohlen [20]. Aufgrund fehlender Daten und potentiell toxischer Inhaltsstoffe gilt die Anwendung von Arnika während der Schwangerschaft als unsicher [20]. Eine Studie dokumentierte eine hämolytische Anämie und erhöhte Bilirubinwerte bei einem Säugling, die wahrscheinlich durch die Einnahme von Arnika durch die Mutter verursacht wurden [21].
Obwohl einige Studien positive Effekte bei der Behandlung von Schmerzen und Entzündungen nach operativen Versorgung sowie Behandlung der Arthrose zeigen, gibt es Einschränkungen in der wissenschaftlichen Evidenz. Viele verfügbare Studien weisen methodische Schwächen auf, wie kleine Stichprobengrößen oder fehlende Placebo-Kontrollen; es fehlen umfassende Daten zur Sicherheit bei langfristiger Anwendung, insbesondere bei höheren Dosierungen, sowie eine durchgehende Standardisierung der Präparate. Die Konzentration des Wirkstoffs variiert zwischen den Produkten, was die Vergleichbarkeit und Dosierung erschwert.
Die Effekte von Bestandteilen aus Arnica montana auf Entzündungsmediatoren in vitro und in vivo schließen ein therapeutisches Potenzial nicht aus. Für die Anwendung von Arnica montana zur Therapie von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen liegt jedoch aktuell keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz vor. Systematische kontrollierte klinische Studien der Arnica montana als Monotherapie an Fallkollektiven mit klar definierten entzündlich-rheumatischen Krankheitsbildern sind nicht vorhanden. Aufgrund möglicher Toxizität ist ein systemischer Einsatz nicht zu befürworten.
Die wissenschaftliche Evidenz reicht nicht aus, um die Verschreibung und Anwendung von Arnica montana für Patienten mit Symptomen aufgrund eines definierten entzündlich-rheumatischen Krankheitsbildes zu empfehlen. Von der topischen Anwendung der Arnika montana bei Patienten mit Arthrose muss bei Therapiewunsch des Patienten nicht abgeraten werden.
1. https://de.wikipedia.org/wiki/Arnika
2. Michael Wink, Ben-Erik van Wyk, Coralie Wink: Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8047-2425-9.
3. Lyss G, Schmidt TJ, Merfort I, Pahl HL. Helenalin, an anti-inflammatory sesquiterpene lactone from Arnica, selectively inhibits transcription factor NF-kappaB. Biol Chem. 1997 Sep;378(9):951-61. doi: 10.1515/bchm.1997.378.9.951.
4. Berges C, Fuchs D, Opelz G, Daniel V, Naujokat C. Helenalin suppresses essential immune functions of activated CD4+ T cells by multiple mechanisms. Mol Immunol. 2009 Sep;46(15):2892-901. doi: 10.1016/j.molimm.2009.07.004.
5. Verre J, Boisson M, Paumier A, Tribolo S, Boujedaini N. Anti-inflammatory effects of Arnica montana (mother tincture and homeopathic dilutions) in various cell models. J Ethnopharmacol. 2024 Jan 10;318(Pt B):117064. doi: 10.1016/j.jep.2023.117064.
6. Marzotto M, Arruda-Silva F, Bellavite P. Fibronectin Gene Up-regulation by Arnica montana in Human Macrophages: Validation by Real-Time Polymerase Chain Reaction Assay. Homeopathy. 2020 Aug;109(3):140-145. doi: 10.1055/s-0040-1708044.
7. Sharma S, Arif M, Nirala RK, Gupta R, Thakur SC. Cumulative therapeutic effects of phytochemicals in Arnica montana flower extract alleviated collagen-induced arthritis: inhibition of both pro-inflammatory mediators and oxidative stress. J Sci Food Agric. 2016 Mar 30;96(5):1500-10. doi: 10.1002/jsfa.7252
8. www.gelbe-liste.de/suche?term_arnika
9. www.ifap.de
10. Gaertner K, Baumgartner S, Walach H. Is Homeopathic Arnica Effective for Postoperative Recovery? A Meta-analysis of Placebo-Controlled and Active Comparator Trials. Front Surg. 2021 Dec 17;8:680930. doi: 10.3389/fsurg.2021.680930
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Stand: 10.03.2026