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Prof. Dr. Reiner Dreher, Bad Kreuznach
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Prof. Dr. Theodor Dürrigl, Zagreb
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Prof. Dr. Gottfried Geiler, Leipzig
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Prof. Dr. Hans Truckenbrodt, Partenkirchen
Prof. Dr. Jacques Villiaumey, Paris
Dr. Eduard Weigl, Fürstenwalde
(22.03.1948 - 16.07.2025)
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) e.V. trauert um Prof. Dr. med. Steffen Gay, der am 16. Juli 2025 im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Unser Fach verliert mit ihm einen Vordenker der molekularen Rheumatologie, einen international angesehen Forscher und einen leidenschaftlichen Lehrer und Mentor. Der Vorstand der DGRh spricht Ehefrau Prof. Dr. med. Renate Gay und den weiteren Angehörigen sein aufrichtiges Beileid aus.
Prof. Dr. med. Steffen Gay wurde 1948 in Geyersdorf im Erzgebirge (heute Annaberg-Buchholz, Sachsen) geboren. Er studierte von 1966 bis 1973 Medizin an der Universität Leipzig und wurde dort 1973 zum Dr. med. promoviert. Bereits früh wandte er sich der zell- und gewebebezogenen Forschung zu. im Anschluss arbeitete er am Max-Planck-Institut für Biochemie in München. Ab 1976 setzte Gay seine wissenschaftliche Laufbahn in den USA fort, mit Stationen in der biomedizinischen Forschung (u. a. New Jersey) und an der Universität Birmingham im Bundesstaat Alabama, wo er in der Abteilung für Klinische Immunologie und Rheumatologie wirkte und 1984 zum Professor für Medizin berufen wurde. Parallel war er an verschiedenen interdisziplinären Programmen, unter anderem mit der Pathologie, Dermatologie oder dem Krebszentrum, beteiligt. Er leitete ein Zentrum der WHO zur Klassifikation und Diagnostik rheumatischer Erkrankungen.
1996 folgte er einem Ruf an das Universitätsspital Zürich, wo er als Professor für Experimentelle Rheumatologie und Leitender Arzt das Zentrum für Experimentelle Rheumatologie aufbaute und international vernetzte. Später fungierte er auch als Berater der Abteilung. Unter seiner Führung wurde Zürich zu einem bedeutenden europäischen Standort translationaler Rheumaforschung und Teil weiterer WHO-Kooperationsstrukturen für molekulare Strategien bei rheumatischen Erkrankungen.
Wissenschaftlich prägte Gay insbesondere das Verständnis der molekularen und zellulären Grundlagen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Er gehörte zu den frühen Befürwortern einer systematischen Untersuchung der Epigenetik als Regulationsfaktor in der rheumatoiden Arthritis und anderer inflammatorischer Prozesse. Wichtig war es ihm, Grundlagenforschung mit möglichen therapeutischen Ansätzen zu verbinden.
Prof. Gay förderte über Jahrzehnte den internationalen wissenschaftlichen Austausch und den rheumatologischen Nachwuchs. Viele heute führende Rheumatologinnen und Rheumatologen verdanken ihm entscheidende Impulse und Kooperationsmöglichkeiten zwischen Europa und den USA. Für seine Leistungen erhielt Gay zahlreiche Auszeichnungen wie im Jahr 1978 den hoch-dotierten Carol-Nachman-Preis als höchste Auszeichnung für die Rheumatologie in Deutschland. Auch die DGRh würdigte seine herausragenden Leistungen für die Rheumatologie schon im Jahr 2008 mit der Kußmaul-Medaille – gemeinsam mit seiner Frau Renate. Im Jahr 2014 ernannte die DGRh ihn zu ihrem Ehrenmitglied. Seit 2004 war Gay Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Mehrere Ehrenmitgliedschaften bei internationalen Fachgesellschaften wie auch der EULAR zeichneten ihn aus.
Die DGRh nimmt Abschied von einem außerordentlichen Wissenschaftler, hoch geschätzten Lehrer, Rheumatologen, Mentor und Freund, der unser Fach nachhaltig geprägt hat. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau, seiner Familie und allen Weggefährten.
Sein Name wird den Rheumatologen wohl vor allem durch den ‚Cortison-Kaiser‘, später noch gesteigert durch ‚Cortison-Papst‘, im Gedächtnis bleiben. Aber er war sehr viel mehr, als es diese Festlegung auf ein eng begrenztes Thema vermuten lassen könnte; er war auch mehr, als ein Einzelner in einer kurzen Würdigung zum Ausdruck bringen vermag. Wichtige Seiten seiner reichen Persönlichkeit sind bei früheren Anlässen schon geschildert worden. Dazu gehören neben den vielen Auflagen seines Standardwerkes „Cortisonderivate in Klinik und Praxis“ sein überragendes Talent als Redner, der seine Zuhörer – früher die Studenten, später die Teilnehmer von Fortbildungsveranstaltungen oder ein großes Laienpublikum in Radio- und Fernsehsendungen – mit didaktisch hervorragend gestalteten, lebendigen Vorträgen in Bann zog, sein Humor und seine ansteckende Fröhlichkeit, die Mittlerrolle zwischen der französischen und deutschen Rheumatologie, seine tiefe Menschlichkeit, vor allem aber die Zuwendung zu seinen Patienten, die ihm diese mit ihrer rührenden Anhänglichkeit vergalten. Offiziell wurden seine mannigfachen Verdienste im In- und Ausland mit hohen Auszeichnungen bedacht.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit war ihm die Beschäftigung mit Kunst und die Freude an der Natur ständiges Bedürfnis. Künstlerische Neigungen fanden ihre Erfüllung durch Opernbesuche, vor allem im geliebten Wien, und durch eine großartige, atemberaubende Sammlung naiver Malerei, die jeden Besucher seiner Wohnung im Gedächtnis blieb. Körperlichen Ausgleich fand er bei regelmäßigen Sommeraufenthalten, die aber oft Arbeitsaufenthalten glichen, in seinem Häuschen im Allgäu oder in den Cevennen.
„Man kehrt immer wieder zu seiner ersten Liebe zurück“ – dieses Zitat stellte Hanns Kaiser (natürlich im französischen Original) einer der 21 von ihm verfassten Biografien vorwiegend französischer Rheumatologen voran, die seit 2002 in der Rubrik „Wegbereiter der Rheumatologie“ dieser Zeitschrift erschienen. Das Zitat bezog sich auf den Lebenslauf des von ihm besonders geschätzten Jacques E. Forestier (1890-1978), es lässt sich aber auch auf den Autor selbst anwenden: Seit seinen Tagen auf dem humanistischem Gymnasium in Augsburg galt Kaisers Interesse den klassischen Sprachen und der Geschichte, seit einer frühen Hospitation des jungen Arztes an einer französischen Rheumaklinik war er von der französischen Rheumatologie, aber auch der Sprache, der Kultur und Lebensart unseres Nachbarlandes fasziniert. So konnte dem Herausgeber der genannten Rubrik nichts Besseres passieren, als dass ihm Hanns Kaiser seine Mitarbeit daran anbot. Schon viel früher hatte Kaiser es vermocht, durch sein Büchlein „Cortison. Die Geschichte eines Medikamentes“ mein spezielles Interesse an der Entwicklung unseres Fachgebietes zu wecken. Aus der Zusammenarbeit wurde im Laufe von zehn Jahren eine Freundschaft.
Danke, Hanns Kaiser!
Wolfgang Keitel, Vogelsang im März 2012
Eberhard Wolff, ehemaliger Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Rheumatologie des Kreiskrankenhauses Demmin, verstarb am 5. Juni 2006 nach kurzem Leiden in seinem 72. Lebensjahr. E. Wolff wurde am 2. Dezember 1934 in Cottbus geboren. Nach dem Studium in Greifswald promovierte er im August 1961 mit Summa cum laude unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. G.H. Schumacher am Anatomischen Institut der Universität Rostock, woraus sich später eine langjährige intensive Zusammenarbeit entwickelte. Seine internistische Facharztweiterbildung absolvierte er u. a. in Prenzlau und zuletzt in Erfurt unter der Leitung von Prof. Dr. A. Sundermann. Eberhard Wolff war seit 1970 in der Fachkommission Innere Medizin im ehemaligen Bezirk Neubrandenburg, später im Land Mecklenburg-Vorpommern und seit 1992 auch in der Fach- und Prüfungskommission der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern tätig.
Seit 1976 leitete er ldquorseineldquo Klinik bis zum Ausscheiden im März 2000 und richtete dort neben dem rheumatologischen Dispensaire frühzeitig eine rheumatologische Akutstation und einen Physiotherapiebereich ein. Später wurde seiner Abteilung die Behandlung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen durch die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern als Schwerpunktaufgabe übertragen.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten und rege Vortragstätigkeit auf regionalen und nationalen Tagungen beschäftigten sich mit epidemiologischen rheumatologischen Fragestellungen und wurden 1981 mit der Verleihung des akademischen Grades Dr. sc. med. durch die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und die Facultas docendi an der Akademie für Ärztliche Fortbildung in Berlin für das Fachgebiet Rheumatologie im Jahr 1987 gewürdigt. Später übernahm er den wesentlichen rheumatologischen Anteil der Hauptvorlesung Innere Medizin an der Universität Greifswald und erhielt im Februar 1997 von deren Senat die Venia legendi für das Fachgebiet Innere Medizin verliehen.
Als Bezirksrheumatologe für den Bezirk Neubrandenburg hatte er wesentlichen Anteil an der Entwicklung unseres Fachgebietes in seinem Einflussbereich und war seit 1987 in der Revisionskommission der Gesellschaft für Rheumatologie der ehemaligen DDR tätig. Während ihrer Beratungen und Kongresse trat er als kenntnisreicher, aber zurückhaltend-bescheidener Kollege in Erscheinung. Sein breites Allgemeinwissen in der Inneren Medizin sowie sein freundliches und kollegiales Auftreten verschafften ihm den Respekt und die Zuneigung seiner Kollegen.
Nach der politischen Wende wirkte er maßgeblich bei der Gründung der Rheuma-Liga Mecklenburg-Vorpommern und an der des universitären Regionalen Rheumazentrums in Greifswald mit. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass die ehemalige Bezirksrheuma-Abteilung und ihr rheumatologisches Dispensaire am Krankenhaus Demmin zusammen mit den Greifswalder Universitätskliniken für Innere Medizin und Orthopädie in das Rheumazentrum integriert wurden.
Weitere Aktivitäten bestanden u. a. seit 1994 in seiner Mitwirkung in der Kommission Diagnostik- und Therapie-Empfehlungen im Rahmen des Verbundes Deutscher Rheumazentren und in der Dresdner Rheumainitiative.
Eberhard Wolff hinterlässt seine Ehefrau und zwei Töchter, denen unsere besondere Anteilnahme gilt.
Priv. Doz. Dr. A. Trabandt
Prof. Dr. med. W. Keitel
Geschäftsstelle, 28.06.2011
Am 06.11.2009 verstarb Professor Dr. med. Klaus Miehlke im Alter von 93 Jahren in seiner Wahlheimatstadt Wiesbaden. Mit ihm hat die deutsche Rheumatologie und Innere Medizin einen großen klinischen Lehrer, international bekannten Wissenschaftler und Arzt sowie einen in seinen wissenschaftlichen Fachgesellschaften hoch engagierten Kollegen verloren.
Klaus Miehlke wurde am 17. August 1916 in Oppeln geboren. Er studierte Humanmedizin an den Universitäten Berlin, Rostock und Würzburg. In Würzburg legte er 1943 sein Staatsexamen ab, erhielt die Approbation und promovierte nachfolgend zum Doktor der Medizin. Während des Krieges war er in mehreren Luftwaffenlazaretten als Stabsarzt tätig. Seine Fachausbildung absolvierte er nach dem Krieg, zunächst 1946 bis 1954 in der Chirurgischen und Gynäkologischen Klinik Nürnberg. 1954 wechselte er zum Kantonsspital Zürich und später an die Universitäts-Rheumaklinik in Zürich (Chefarzt Prof. Dr. Böni). Seine in der Schweiz erworbenen medizinisch-rheumatologischen Kenntnisse ergänzte Klaus Miehlke in den Jahren 1957 und 1958 durch eine verantwortliche ärztliche Tätigkeit an der Medical Clinic of the University of Pennsylvania, Philadelphia/USA unter Prof. Hollander. 1959 bis 1962 arbeitete er an der Medizinischen Universitätsklinik in Göttingen bei Prof. Schoen und erwarb dort auch die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin.
Im Jahre 1961 wurde Miehlke Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Städtischen Rheumaklinik I und danach zusätzlich der privaten Rheumaklinik II in Wiesbaden, an deren Gründung er maßgeblich beteiligt war. Ein Lehrauftrag an der Medizinischen Universitätsklinik Mainz für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, schloss sich an. Die wiederaufgenommene wissenschaftliche Arbeit in Forschung und Lehre führte dazu, dass er sich 1974 habilitieren konnte und von der Medizinischen Fakultät der Universität Mainz zum Professor ernannt wurde. In seiner Klinik hat er zahlreiche Kollegen in den Fächern Innere Medizin und Rheumatologie weitergebildet und den Kontakt mit ihnen bis ins hohe Alter gepflegt.
Von 1964 an war er über viele Jahre ständiges Vorstandsmitglied (ständiger Schriftführer bzw. Generalsekretär) der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin mit Sitz in Wiesbaden. In den Jahren 1977 und 1978 war Professor Miehlke Präsident der DGRh. Zudem war er langjähriges Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesärztekammer und seit 1978 Mitglied der Zulassungskommission A des Bundesgesundheitsamtes. 1979 holte er den alle vier Jahre stattfindenden Internationalen Kongress für Rheumatologie nach Wiesbaden, wobei dieser Kongress vom damaligen Bundespräsidenten Carstens persönlich eröffnet wurde.
Professor Miehlke hat sich große Verdienste um die Ärztliche Fortbildung und um Informationsveranstaltungen für Patienten erworben. So richtete er 1963 eine alljährliche, am ersten Mai-Wochenende stattfindende rheumatologische Fortbildungstagung ein. Sie wurde zur damals größten rheumatologischen Fortbildungsveranstaltung in Deutschland mit jährlich zwischen 700 bis 1200 Teilnehmern. Die Patientenselbsthilfe und -information lag ihm immer am Herzen, er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Rheuma-Liga. Professor Miehlke sah die sich eigenständig entwickelnde Facharztdisziplin der Rheumatologie nicht nur aus der Sicht des Internisten. Sondern er integrierte sehr früh in den 60-er Jahren und Beispiel gebend die Rheumachirurgie in das Therapiekonzept seiner Klinik ein.
Gemeinsam mit Carol Nachman und dem damals zuständigen Dezernenten, Bürgermeister Alfred Herbel, rief er 1971 den jährlich weltweit ausgeschriebenen „Carol Nachman-Preis für Rheumatologie der Landeshauptstadt Wiesbaden“ ins Leben. Dieser Preis ist bis heute der höchst dotierte internationale Preis für Rheumatologie. Professor Miehlke selbst blieb auch nach seiner Pensionierung als Chefarzt der Städtischen Rheumakliniken bis in dieses Jahr 2009 hinein aktives und kritisches Mitglied des Kuratoriums des Carol Nachman-Preises.
Von den zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen, die Professor Miehlke im Laufe seines Lebens erworben hat, sollen nur einige hier erwähnt werden: Verleihung der Goldenen Stadtplakette für seine besonderen Verdienste um den Ausbau des Wiesbadener Gesundheitswesens (1979), Verleihung des Verdienstkreuzes I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1983). Schließlich wurde Miehlke zum Ehrenbürger der Stadt Wiesbaden ernannt. Die Deutsche Ärzteschaft verlieh ihm an seinem 70. Geburtstag am 17. August 1986 die Ernst-von-Bergmann-Plakette. 1999 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Auch im Ruhestand war Professor Miehlke offen und neugierig in Bezug auf neue Konzepte der Rheumatologie in seiner Stadt Wiesbaden und begleitete die wissenschaftlichen Tagungen mit persönlicher Präsenz, Charme, Diskussion und Eleganz trotz zuletzt gesundheitlicher Probleme. Sein wunderbarer 90. Geburtstag auf dem Rhein war ein froher Anlass für Kollegen, Weggefährten, Freunde und natürlich für die Familie zu feiern.
Kollegen und Mitarbeiter sind bei aller Trauer um den Verstorbenen dankbar, Klaus Miehlke gekannt und mit ihm gearbeitet zu haben.
Prof. Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann und Dr. Wolfgang Bolten, Wiesbaden im Dezember 2009
Fritz Hartmann starb im 87. Lebensjahr am 10. Februar 2007 in seinem Haus am Birkenweg in Hannover, in der Fürsorge seiner zuletzt klein gewordenen Familie. Er folgte seiner Frau (verstorben 2000) und seiner Tochter (verstorben 2005). Seine schließlich tödliche Krankheit ließ ihm seit ihrer Manifestation kaum mehr als sechs Monate. Seine Familie verlor ihr Zentrum, seine Schüler und Mitarbeiter einen wesentlichen Orientierungspunkt. Wir verloren einen väterlichen Mentor, vertrauten Ratgeber und spiritus rector.
Fritz Hartmann war der erste Inhaber eines rheumatologischen Lehrstuhls an einem Hochschulklinikum. Nach seiner Berufung 1965 an die Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entstand unter seiner Leitung nach US-amerikanischem Vorbild die „Abteilung für Krankheiten der Bewegungsorgane und des Stoffwechsels“ innerhalb des Departments Innere Medizin. Dadurch wurden der Rheumatologie entscheidende neue Wege eröffnet. Zusammen mit seinen Schülern und Kollegen aus der Tierärztlichen Hochschule Hannover gestaltete und unterstützte er den ersten rheumatologischen Sonderforschungsbereich „Pathomechanismen der rheumatoiden Entzündung bei Mensch und Tier“.
Schon 1962 richtete Fritz Hartmann entsprechend seiner stets grenzüberwindenden Persönlichkeit erstmals in der Geschichte der deutschsprachigen Gesellschaft für Rheumatologie als ihr damaliger Präsident deren 10. Jahrestagung gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rheumatologie sowie der Österreichischen Liga zur Bekämpfung des Rheumatismus in Bad Ragaz aus. Hauptthemen des Kongresses waren „Die Arthrose als Krankheit“, „Der Einfluss der genetischen Faktoren auf den chronisch-entzündlichen Rheumatismus“ und „Die Anämie bei der chronischen Polyarthritis“.
Im Geiste der Interdisziplinarität pflegte Fritz Hartmann an der MHH eine enge Verbindung zu der Abteilung Klinische Immunologie unter Leitung von Prof. Dr. Helmuth Deicher. So entstand eine außergewöhnlich intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen klinischer Rheumatologie und Immunologie. Sie war nicht zuletzt wesentliche Voraussetzung dafür, dass von den wenigen Abteilungen und Lehrstühlen unseres Fachgebietes mehrere mit Mitgliedern der „Hannoverschen Schule“ besetzt wurden (Erlangen, Freiburg, Berlin, Nachfolge in Hannover). Auch die Initiierung und Etablierung der Regionalen Kooperativen Rheumazentren nahm von Hannover ihren Ausgang. So verdankt die deutsche Rheumatologie Fritz Hartmann, den von ihm gestalteten Aufbau und die von ihm geförderte Entfaltung einer vielgestaltigen klinischen und wissenschaftlichen Rheumatologie in Hannover mit nationalem und internationalem Ansehen. Dass der Zeitpunkt seines Todes zusammenfällt mit den Ende der Abteilung Rheumatologie an der Medizinischen Hochschule stimmt uns traurig. Aus Gründen der Kostenersparnis wird sie in die Abteilung Klinische Immunologie überführt.
Fritz Hartmann war Schüler des Göttinger Internisten Rudolf Schoen und wurde Lehrer nicht nur vieler deutscher Internisten, Rheumatologen und Immunologen, sondern auch Lehrer von Medizinhistorikern und Medizinethikern. Er stand jahrelang dem von ihm gegründeten Seminar, später Institut für Geschichte, Theorie und Wertlehre der Medizin der MHH vor. Unzählige Medizinstudenten haben ihn in den mehr als 40 Semestern seiner Lehrtätigkeit (zuerst in Marburg, dann in Hannover) gehört; viele wurden von ihm geprägt. Als eines seiner Lehrprojekte geht auch der „Untersuchungskurs des Bewegungsapparates“ für Studenten im 1. klinischen Studienjahr auf ihn zurück. Nur ausnahmsweise ließ er sich in der studentischen Lehre von anderen vertreten; nie übertrug er seine Lehrverpflichtungen auf die jüngsten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Damit ist schon der weite Horizont der Interessen Fritz Hartmanns angedeutet worden. Noch im Dezember 2005 berichtete er von „Schaffensfreude und -kraft“, im Juni 2006 noch einmal von „schöpferischer Unruhe“. Seine Briefe waren bis zuletzt begleitet von Vortragsmanuskripten und Sonderdrucken. Einige späte Titel verdeutlichen Grundthemen seines Denkens und Forschens, das immer auch ein rückblickend-historisches, gleichzeitig ein die Fachgrenzen übersteigendes und vorausschauendes Erkunden war:
Die allererste im Schriftenverzeichnis von Fritz Hartmann aufgeführte Veröffentlichung widmete sich 1948 der Biochemie von Eiweißmangelschäden unter Kriegsheimkehrern im Auffanglager Friedland bei Göttingen. Der erste rheumatologische Vortrag taucht 1950 auf („Serumeiweißveränderungen im Verlauf des chronischen Gelenkrheumatismus“); die ersten Beiträge in einer rheumatologischen Zeitschrift 1951. In dieser Zeit und viele Jahre weiter geht es um den Eiweiß- und Aminosäurenstoffwechsel, dann allgemeiner auch um die Physiologie und Pathologie des Bindegewebes.
1956 erscheint Fritz Hartmanns medizinhistorisch ausgerichtete Schrift „Der ärztliche Auftrag“, eine Frucht seiner bisherigen ärztlichen Erfahrungen ebenso wie seines weit gefächerten Studiums (1940 – 1945) auch von Philosophie, Psychologie und Geschichte. Gemeinhin den „Grenzgebieten der Medizin“ zugerechnet, werden Fragen der ärztlichen Anthropologie für Fritz Hartmann zunehmend forschungs-, lehr- und lebensbestimmend. 1968 ist das erste Jahr, in dem Zahl und Gewicht solcher Beiträge überwiegen. Später erwuchs daraus eine umfassende Theorie der klinischen Medizin speziell im Umgang mit chronisch Kranken. Die ärztliche Alltagserfahrung war Ausgangspunkt und Endpunkt seiner klinischen Aufmerksamkeit, seines auch empirischen Forschens (z.B. über „Der erste Satz des Kranken im Gespräch mit dem Arzt“, 1978), seines Nachdenkens. Versteht man klinische Medizin (mit Fritz Hartmann) als eine Handlungswissenschaft, dann bedarf sie ebenso einer Grundlagenforschung - wenn auch einer gänzlich anderen als eine sich eng als angewandte Naturwissenschaft (miss)deutende Medizin.
Mit Fritz Hartmann hat die klinische Medizin jetzt ihren bedeutendsten und originellsten Grundlagenforscher verloren. Nachfolger, die gleichzeitig klinisch tätig und auf höchstem Niveau theoretisch arbeiten, sind nicht in Sicht. Auch in diesem Feld ist es durch disziplinäre Spezialisierung zu einer Trennung von klinischer Praxis und ihrer Geschichte, Theorie und Ethik gekommen.
Wenn auch Fritz Hartmanns Beiträge zu einer eng verstandenen klinischen Rheumatologie mit der Zeit abnahmen, so waren seine oft als zu „philosophisch“ abgewehrten Gespräche, Vorträge und Veröffentlichungen doch für deren Weiterentwicklung prägend. Ohne seine gedankliche Vorarbeit und Begleitung, ohne seine Förderung, ohne sein aktiv teilnehmendes Interesse wären uns Projekte einer patientenorientierten klinischen und epidemiologischen Forschung und einer wohnortnahen rheumatologischen Versorgung nicht möglich geworden. Auch wenn er selbst in seinen späteren Jahren eher „qualitativ“ forschte, so nutzte er doch Ergebnisse verhaltenswissenschaftlich fundierter quantitativer Forschung. So wurde Hannover in den 1980er Jahren zu einem frühen Zentrum dessen, was heute Versorgungsforschung heißt.
Fritz Hartmann hat auf der Basis seines jahrzehntelangen Umgangs mit chronisch Rheumakranken allem ärztlichen Handeln ein Ziel gegeben; er nannte es „gelingendes bedingtes Gesundsein“. Prävention, Diagnostik, Prognostik, Therapie, Rehabilitation und Palliation sollten zum Erreichen dieses Zieles beitragen: „Gesund ist ein Mensch, der mit oder ohne nachweisbare oder für ihn wahrnehmbare Mängel seiner Leiblichkeit allein oder mit Hilfe anderer Gleichgewichte findet, entwickelt und aufrecht erhält, die ihm ein sinnvolles, auf die Entfaltung seiner persönlichen Anlagen und Lebensentwürfe eingerichtetes Dasein und die Erreichung von Lebenszielen in Grenzen ermöglichen, so dass er sagen kann: mein Leben, meine Krankheit, mein Sterben.“ Uns erscheint dies als ein anspruchsvolles, heroisches und auch einsames Ziel.
Alle, die Fritz Hartmann begleitet haben und ihm in den letzten Wochen und Monaten nahe sein durften, werden nicht daran zweifeln, dass er seine Krankheit und sein Sterben gelebt hat. Auch darin kann er uns Vorbild sein.
Prof. Dr. Dr. Heiner Raspe
Prof. Dr. med. Henning Zeidler
Am 1. Juni 2007 verstarb Prof. Dr. med. habil. Werner Otto, der vormalige Ordinarius für Innere Medizin und langjährige Direktor des Medizinisch-Poliklinischen Instituts der Leipziger Universität im Alter von 86 Jahren.
Professor Otto wurde am 6. April 1921 als Sohn eines Oberlehrers in Kitzscher (Kreis Borna) geboren. Nach dem Abitur konnte er das Medizinstudium in Leipzig und Jena erst nach Unterbrechung durch Kriegsdienst und mehrjähriger Kriegsgefangenschaft im Wintersemester 1948/1949 in Leipzig mit dem Staatsexamen und der Promotion zum Dr. med. mit der Arbeit "Das blutdrucksteigernde System der Niere" abschließen.
Seit 1951 am Medizinisch-Poliklinischen Institut in der Härtelstraße tätig, gründete er bereits 1952 die erste Rheumaambulanz für das Teilgebiet Rheumatologie im Profil der Inneren Medizin. Nach der Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin 1956 erfolgte bald die Ernennung zum Oberarzt.
1957 habilitierte Professor Otto über das Thema "Zusammenhänge zwischen degenerativen HWS-Veränderungen und Hypertonie". Im gleichen Jahr wurde ihm eine Dozentur für Innere Medizin verliehen.
Bereits 1962 übernahm er die kommissarische Leitung des Medizinisch-Poliklinischen Institutes, welches mit über 30 Wissenschaftlern die größte deutsche Universitätspoliklinik zur damaligen Zeit darstellte.
Mit der Berufung zum Professor mit Lehrstuhl für Innere Medizin erfolgte 1964 die Ernennung zum Direktor des Medizinisch-Poliklinischen Institutes.
Als erfahrener Kliniker und Polikliniker hat Professor Otto stets Studenten und Facharztkandidaten zielgerichtet für die klinische Praxis ausgebildet. Wir Studenten schätzten besonders den klaren didaktischen Aufbau, die differentialdiagnostische Orientierung und die klinische Relevanz seiner Vorlesungen, z.B. zur "Medizinischen Poliklinik" am vorgestellten Patienten. Viele Ärzte profitieren noch heute von diesen praxisnahen Lehrveranstaltungen.
Neben seinem Wirken als Hochschullehrer, Polikliniker und Kliniker hat sich Professor Otto besondere Verdienste durch den Aufbau der Rheumatologie am Medizinisch-Poliklinischen Institut erworben. Er gehörte 1952 zu den Mitbegründern des Arbeitskreises zur Erforschung und Bekämpfung rheumatischer Erkrankungen.
Mit den Professoren Seidel und Heidelmann gründete er 1968 die Gesellschaft für Rheumatologie der DDR, die er 7 Jahre als 1.bzw. 2. Vorsitzender leitete. Professor Otto hatte wesentlichen Anteil an der Aufnahme dieser Fachgesellschaft in die Europäische und Internationale Liga gegen den Rheumatismus - EULAR und ILAR. In dieser Funktion organisierte er von 1968 bis 1975 die Jahrestagungen und wissenschaftliche Symposien der Gesellschaft in Reinhardsbrunn mit internationaler Beteiligung.
Seit 1962 setzte sich Professor Otto unterstützt von Nesterow als Koordinator für die Zusammenarbeit der Rheumatologen der sozialistischen Ländern ein, wodurch eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den profilbestimmenden und international ausgewiesenen Rheumainstituten in Prag, Piestany, Moskau, Budapest und Warschau möglich wurde.
Gastvorlesungen führten ihn nach Finnland, Ägypten und Sudan und an vier Universitäten in den USA. Seine internationale Anerkennung spiegelte sich ebenso wider in den Ehrenmitgliedschaften in der jugoslawischen Rheumatologenvereinigung und der tschechoslowakischen Purkinje-Gesellschaft.
Nach Übernahme der Leitung der Kommission "Subspezialisierung Rheumatologie" der Akademie für ärztliche Fortbildung der DDR war es Professor Otto`s Verdienst, die Kriterien für die Subspezialisierung Rheumatologie in der Inneren Medizin erarbeitet zu haben.
Als Bezirksrheumatologe von Leipzig trug er wesentlich zum flächendeckenden Aufbau der Rheumadispensaires mit Rheumatologe, rheumatologisch erfahrener Schwester und Rheumafürsorgerin bei.
Seine Bücher bzw. Buchbeiträge wie "Die Rheumasprechstunde" (Otto), "Die rheumatischen Erkrankungen" (Wessel, Seidel, Otto), "Medizinisch-poliklinische Diagnostik" (Otto, Hambsch, Treutler), "Poliklinische Blickdiagnostik" (Otto, Gruber), Kapitel zur Rheumatologie im Schulz/Stobbe (Grundlagen der Inneren Medizin), Brüschke (Lehrbuch für Innere Medizin) und im Handbuch für Innere Medizin, den drei internistischen Standartwerken der DDR wurden Standardwerke für Studenten und Ärzte.
Professor Otto hatte mit seinem Lehrstuhl für Innere Medizin an der Medizinischen Poliklinik ganz entscheidenden Anteil am Aufbau der Inneren Medizin an der Universität Leipzig in der Einheit von ambulanter und stationärer Krankenversorgung, Lehre und klinischer Forschung, deren Entwicklung er als Autor, Mitautor und Herausgeber von wegweisenden Publikationen und Büchern wesentlich geprägt hat.
Der von Professor Otto von 1964 bis 1986 vertretene Lehrstuhl für Innere Medizin geht - historisch gesehen - auf Prof. von Strümpell mit Gründung der ersten Universitätspoliklinik 1886 in der Universitätsstraße zurück, welcher 1888 im Lehrbuch der allgemeinen Pathologie den Morbus Bechterew beschrieb und dem ein Neubau einer Medizinischen und Chirurgischen Poliklinik mit Bettenstation 1890 vor der Zahnklinik zu verdanken ist.
Dieses Gebäude wurde 1943 und 1945 durch Bombenangriff zerstört und bereits nach kurzer Zeit in einem ehemaligen Messehaus in der Härtelstraße wiedereröffnet. Professor Otto setzte mit seinem Lehrstuhl die von vormaligen Direktoren wie Heubner, Erb, Aßman und Bittdorf begonnene Tradition und große Ausstrahlung der Medizinischen Poliklinik sowie die Tradition der Rheumatologie im Sinne von Adolf von Strümpell und von Rudolf Schoen erfolgreich fort.
In dem von ihm 25 Jahre geleiteten Medizinisch-Polikliniklinischen Institut gab es 3 Bettenstationen, Ambulanzen für alle Schwerpunkte der Inneren Medizin mit Funktionsdiagnostik und Röntgen. Das Verdienst von Professor Otto als Polikliniker und Kliniker bestand darin, die Einheit der Inneren Medizin aus klinischer und poliklinischer praktiziert und die Gleichberechtigung der an der Medizinischen Klinik vertretenen Schwerpunkte der Inneren Medizin respektiert und die Innere Medizin in der Medizinischen Fakultät stets würdig vertreten zu haben.
Das Frühjahrssymposium des Rheumazentrums am Universitätsklinikum Leipzig e.V. 2006 war dem 85. Geburtstag von Professor Otto gewidmet. Wir sind dankbar, dass wir ihn in Begleitung seiner Ehefrau begrüßen und sprechen konnten.
Weggefährten, Kollegen, Schüler und Studenten erinnern sich dankbar an das Wirken des am 1. Juni 2007 nach langer, tapfer ertragenen Erkrankung verstorbenen Arztes und Humanisten Professor Dr. Werner Otto.
Die Mitglieder der Medizinischen Fakultät, vertreten durch den Dekan sowie die Mitglieder des Universitätsklinikums, vertreten durch den Vorstand werden Professor Otto als herausragender Persönlichkeit stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Professor Holm Häntzschel
Einige Tage vor ihrem 98. Geburtstag, am 26.04.2007 verstarb mit Frau Prof. Elisabeth Stoeber die Altmeisterin der Deutschen Kinderrheumatologie, zugleich eine profilierte Persönlichkeit der Kinderheilkunde. Elisabeth Stoeber wurde 1909, also zur Zeit der Monarchie in Nürnberg geboren. Das Salvarsan war erfunden, die Dauerwelle und der erste Skilift erregten die Gemüter.
In München aufgewachsen, absolvierte Elisabeth Stoeber auch das Studium in der Landeshauptstadt. Nach dem Staatsexamen 1933 begann Elisabeth Stoeber ihre Ausbildung am Pathologischen Institut der Universität Freiburg. Damals hatte Ludwig Aschoff gerade die Rheumaknötchen im Herzen entdeckt. Elisabeth Stoeber war davon so fasziniert, dass die rheumatischen Erkrankungen ihren weiteren Lebensweg bestimmen sollten. Die Vorbildung in Freiburg und einige wissenschaftliche Arbeiten öffneten ihr den Weg in die Münchner Universitäts-Kinderklinik, dem renommierten Dr. von Hauner'sches Kinderspital. Schon in ihrer Ausbildung zur Kinderärztin befasste sie sich intensiv mit dem Rheumatischem Fieber, das durch die Endomyokarditis oft zum Siechtum führte.
Im zweiten Weltkrieg musste das Hauner'sche Kinderspital wegen der Bombenangriffe teilweise nach Ohlstadt bei Garmisch-Partenkirchen ausgelagert werden. Mit der ärztlichen Leitung in Ohlstadt betraut, kamen die Führungseigenschaften von Elisabeth Stoeber erstmals zum Tragen. In dieser Zeit verfasste sie auch ihre Habilitationsschrift über die epidemische Säuglingsmyokarditis, das „Schwielenherz des Säuglings", die sie 1944 vollendete. Nach dem Krieg musste Elisabeth Stoeber den Spätheimkehrern weichen. Ihre Tätigkeit in Ohlstadt bahnte ihr 1950 den Weg zur Chefärztin der 70-Betten-Heilstätte für tuberkulosekranke Kinder in Garmisch-Partenkirchen unter der Trägerschaft der Rummelsberger Anstalten der Inneren Mission e.V. Diese Aufgabe füllte sie jedoch in keinster Weise aus - „habe ich 2 Jahrzehnte dafür gelernt und gearbeitet, um eine TBC-Heilstätte zu leiten". So wuchsen aus dem Mut und der Kraft der Verzweiflung die Ideen für die Zukunft. Ein glücklicher Zufall kam zu Hilfe und brachte die Wende. Über den sog. Marshall-Plan der USA wurden Projekte mit Modellcharakter in der Nachkriegszeit gefördert. Elisabeth Stoeber lernte über den gleichen Skilehrer und Bergführer den Ersten Amerikanischen Hochkommisars, McCloy, kennen. Es gelang ihr, ihn von der Notwendigkeit eines Rheuma-Kinderkrankenhauses zu überzeugen. Zu ihrer eigenen Überraschung wurde der Antrag genehmigt und ein Scheck von
100.000 DM überreicht. Voraussetzung war jedoch, dass der Träger die gleiche Summe zulegte. Mit der ihr eigenen Überzeugungskraft gewann Elisabeth Stoeber in „dramatischen Sitzungen" auch die Rummelsberger Anstalten für ihr Vorhaben. Bereits 1952 wurde die erste kontinentaleuropäische Klinik für rheumakranke Kinder in Garmisch-Partenkirchen eingeweiht, eine herausragende Leistung. Die Kinderrheumatologie befand sich damals noch in einem Dornröschenschlaf. Lediglich in Taplow bei London hatte man sich in ähnlicher Weise dem Kinderrheuma verschrieben.
Zu aller Erstaunen wandelte sich ab Mitte der 50iger Jahre das klinische Bild. Das Rheumatische Fieber, für das die Klinik eigentlich gebaut war, ging rasch zurück. Immer mehr Kinder mit chronischen Gelenkentzündungen, damals noch als „primär chronische Polyarthritis und Still"sche Krankheit" bezeichnet, kamen nach Garmisch-Partenkirchen. Schwerkranke Kinder mit schmerzhaften Gelenken und Bewegungseinschränkungen bis hin zu Deformitäten erforderten neue Therapiekonzepte. Die Kinder kamen aus allen Bundesländern, so dass die Klinik zunehmend in Raumnot geriet. Dank der Aktivitäten von Elisabeth Stoeber entstand 1971 ein zweiter großzügiger Rheumabau mit über 100 Betten und zeitgemäßen Therapieeinrichtungen.
Mit Leidenschaft verschrieb sich Elisabeth Stoeber der Lehre und Forschung. Durch unzählige Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen, Krankenkassen und Verbänden, musste sie erst die Tür aufstoßen. Dass auch Kinder schon an einer chronischen Arthritis erkranken, war auch in Medizinerkreisen kaum bekannt. Als Mitglied des Lehrkörpers der Maximilian-Universität München vertrat sie regelmäßig die Kinderrheumatologie im Hauptkolleg. Am wichtigsten war ihr aber die Forschung. Ehrgeizig und zielstrebig versuchte sie, den Dingen auf den Grund zu gehen. Dabei hatte die Wissenschaft dem rheumakranken Kind zu dienen. Durch eine umfangreiche Dokumentation mit Lochkartensystem - auch für spätere Generationen noch eine Fundgrube - erleichterten die überwiegend klinischen Studien zur Differenzierung und Behandlung der chronischen Arthritis. Von 1950 bis 1974 gingen über 150 Publikationen aus der Klinik hervor.
Wichtige Impulse kamen aus der engen Zusammenarbeit mit der Erwachsenenrheumatologie, insbesondere mit Herrn Prof. Dr. med. Fritz Schilling und Prof. Dr. med. Hans-Georg Fassbender. Frühzeitig knüpfte Elisabeth Stoeber wissenschaftliche und auch freundschaftliche Kontakte auf europäischer und internationaler Ebene. Ein besonders reger Erfahrungsaustausch entwickelte sich mit der Rheumakinderklinik in Taplow bei London über Prof. Dr. med. E. Bywaters und Barbara Ansell.
Elisabeth Stoeber hat Pionierarbeit geleistet. Sie ist die Begründerin der deutschen Kinderrheumatologie. Sie hat die auf internationaler Ebene auch heute noch größte Rheumakinderklinik in Garmisch-Partenkirchen aufgebaut, Jahrzehnte bevor einzelne Universtiäts-Kinderkliniken begannen, sich für den Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen zu interessieren. Für ihre herausragenden Leistungen wurde Elisabeth Stoeber mit der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
Um das Lebenswerk von Frau Professor Elisabeth Stoeber würdigen zu können, muss man ihre Persönlichkeit kennen. Sie verfolgte ihre Ziele im Beruf wie im persönlichen Leben mit einer Beharrlichkeit bis zur Hartnäckigkeit. Durch ihren klaren und scharfen Verstand, ihre Ausstrahlungskraft und ihre hohen Maßstäbe an sich selbst und ihre Umgebung konnte sie auch ein herausfordernder Partner sein. Mit hohem persönlichem Einsatz kämpfte sie für ihre Ideen und deren Verwirklichung. Elisabeth Stoeber war sowohl fachlich wie auch bezüglich der Emanzipation immer ihrer Zeit weit voraus. Sie hat schon in den Fünfziger Jahren ein Matriarchat inmitten der patriarchalisch ausgerichteten Gesellschaft geschaffen. Die Kraft holte sich Elisabeth Stoeber aus der Liebe zu den Bergen durch sportliche Aktivitäten wie Skifahren und Langlaufen, Klettern und Bergsteigen. Auch schwierige Lebenssituationen hat sie gemeistert, beispielsweise eine Lawinenverschüttung im Artberg überstanden. Nach ihrer Pensionierung galten ihre Interessen Bräuchen und Kulturen entfernter Länder. Bei ihren vielen, teilweise abenteuerlichen Reisen war sie u.a. einer Appendektomie in China ausgesetzt.
Stets bewunderten wir ihre vorbildliche Selbstdisziplin, die kontrollierte innere und äußere Haltung. Immer elegant und geschmackvoll gekleidet blieb sie auch im Alter eine Grande Dame. Geistig wach nahm sie bis zuletzt Anteil am Fortschritt der Klinik wie der gesamten Kinderrheumatologie. Mit viel Energie erhielt sie sich ihre körperliche Mobilität und Freiheit. Zu ihrem 95. Geburtstag wünschte sie sich keine „tröstenden Worte" sondern „gute und anregende Gespräche".
Wir alle stehen auf den Schultern unserer Vorgänger. Als Nachfolger gedenken wir Frau Professor Elisabeth Stoeber mit großer Hochachtung und Dankbarkeit.
Hans Truckenbrodt und Hartmut Michels, Mai 2007
Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie
Am 11. April 2007 ist Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Paul Walter Hartl in München im Alter von 82 Jahren gestorben. P.W. Hartl war einer der prägenden Männer der Rheumatologie in Deutschland der den Wandel von der Kurort-bezogenen rheumatologischen Versorgung zur modernen wissenschaftlich ausgerichteten Medizin aktiv mitgestaltet hat.
Der gebürtige Aachener studierte Medizin in Bonn, Tübingen und Heidelberg. Er war danach Assistenzarzt in Davos und arbeitete anschließend bis 1955 als wissenschaftlicher Assistent am Hygieneinstitut der Universität Lausanne. Seine wissenschaftliche Ausbildung setzte er als DFG-Stipendiat am Pasteur-Institut in Paris und danach als Research Fellow am Massachusetts Memorial Hospital in Boston fort. 1965 habilitierte er sich für das Fach Innere Medizin an der Universität Tübingen. Von 1970 bis 1990 leitete er die Rheumaklinik Aachen mit dem angeschlossenen Rheumaforschungsinstitut, die er von einer traditionsreichen Kurklinik zu einer modernen Rheumaklinik weiterentwickelte.
Geprägt durch die wissenschaftlichen Erfahrungen in den USA, in Frankreich und in England und durch die internistische Schule von Hans Erhard Bock engagierte er sich für die Weiterentwicklung der Rheumatologie in Deutschland als eigenständiges Fach in der Patientenversorgung, in der Lehre und in der Forschung.
Er war akademischer Lehrer an der medizinischen Fakultät der RWTH Aachen mit Vorlesungen über klinische Rheumatologie, physikalische Therapie und internistisch-rheumatologische Differentialdiagnose. An seiner Klinik wurde eine große Zahl von Ärzten weitergebildet, die heute noch aktiv in der rheumatologischen Versorgung tätig sind. Er hat es in hervorragender Weise verstanden, seinen Enthusiasmus für die Rheumatologie auf seine Schüler und Mitarbeiter zu übertragen. Die von ihm 1971 gegründeten Aachener Rheumaseminare erreichten eine große Akzeptanz. Seine Verdienste im Bereich der ärztlichen Fortbildung wurden mit der Verleihung der Ernst-von-Bergmann-Plakette gewürdigt.
Die wissenschaftlichen Aktivitäten umfassten ein breites Spektrum von Themen aus den Bereichen der Rheumatologie, Immunologie und Hämatologie. Er hat grundlegende Arbeiten und eine Monographie zur ankylosierenden Spondylitis, aber auch zu arzneimittelinduzierten Autoimmunkrankheiten und zu einer Vielzahl anderer Themen der klinischen Rheumatologie veröffentlicht.
Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie setzte er sich energisch für die Weiterentwicklung der internistischen Rheumatologie und ihre Interdisziplinarität ein. Im Besonderen setzte er wichtige Impulse für die Weiterbildung zum Rheumatologen in Deutschland und für den weiteren Ausbau der Rheumatologie an deutschen Universitäten. Diese Aktivitäten haben dazu beigetragen, dass die Rheumaforschung in Deutschland in vielen Bereichen internationalen Standard erreicht hat. Als Vertreter der klinischen Rheumatologie hat er sich intensiv dafür eingesetzt, dass das Rheumaforschungszentrum in Berlin eine leistungsfähige klinische Einheit und einen Lehrstuhl für Rheumatologie an der Universität erhielt. In Anerkennung seiner Verdienste für die Weiterentwicklung der Rheumatologie in Deutschland wurde P. W. Hartl mit der Carol-Nachman-Medaille der Stadt Wiesbaden und der Franziskus-Blondel-Medaille der Stadt Aachen ausgezeichnet.
Nach einem reichen Rheumatologenleben hat er sich einen lange gehegten Traum mit einem weiteren Studium der Botanik erfüllt, dessen wissenschaftliche Faszination ihn in den letzten Jahren ausfüllte. Mit 75 Jahren promovierte er in diesem Fach. Bis zuletzt hat er an Publikationen zu diesen Arbeiten über die intrazelluläre Kristallbildung bei Sukkulenten geschrieben.
„Attempto“ war sein Lebensmotto, dem er immer treu geblieben ist und das ihn voran getrieben hat. Seine Freunde, Weggefährten und Mitarbeiter halten ihn in dankbarer Erinnerung.
Ekkehard Genth, Aachen, April 2007